Mein Neujahrsvorsatz – authentisch sein!

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Authentizität oder Echtheit ist etwas, mit dem viele Menschen Probleme haben. Mir begegnen immer wieder Personen, bei denen ich das Gefühl habe, dass sie „nicht echt“ sind, also bewusst oder unbewusst Anteile ihrer „wahren“ Persönlichkeit verstecken (müssen). Für mich ist das nachvollziehbar, da wir alle Anteile in uns haben, die wir verstecken oder vor anderen nicht preisgeben wollen. Allerdings kann man kein erfülltes und glückliches Leben führen, solange man etwas versteckt oder sich für Anteile der eigenen Persönlichkeit schämt.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass manche Lebensumstände es ermöglichen oder sogar erfordern, dass man seine Persönlichkeit nicht preisgeben oder ausleben kann. Viele Menschen sind gefangen in unglücklichen Beziehungen, Familiensituationen oder auch Arbeitsumständen und haben Angst, etwas zu verändern.

Für mich selbst startete vor etwa vier Jahren eine unglaubliche Reise. Ich war schon immer fasziniert vom Motto „Um das Äußere zu verändern, beginne mit dem Inneren“, wusste aber nicht so ganz, was es bedeutet. Es änderten sich jedoch manche Dinge schlagartig, andere nach und nach, und alles begann mit einem Neujahrsvorsatz: Sei authentisch.

Mein heutiger Blogbeitrag soll daher etwas Bewusstsein für Authentizität schaffen und die Angst davor nehmen, denn langfristig kann es nur gut sein, authentisch zu sein.

Was ist Authentizität?

Authentizität oder Echtheit bedeutet schlicht, dass wir uns so zeigen wie wir sind, uns also nicht für andere Personen verstellen (müssen) oder vorgeben, jemand anderes zu sein. Das bedeutet allerdings auch, dass wir uns selbst und unsere Bedürfnisse sehr gut kennen, unsere Reaktionen abschätzen können, und auch bewusst zu unseren Emotionen und Reaktionen stehen können.

Warum wir nicht so sind wie wir eigentlich wirklich sind

Als Kinder oder Jugendliche waren wir eine Persönlichkeit. Klar, wir hatten unsere kleineren oder größeren „Fehler“ in unserem Verhalten, aber wir hatten auch unsere jeweiligen Qualitäten – das definiert uns als Menschen mit unseren Stärken und Schwächen.

Je älter wir wurden, desto mehr wurden wir von unserer sozialen Umgebung beeinflusst, seien es Eltern, Freunde oder auch ArbeitskollegInnen. Wir haben gelernt so zu sein, wie andere es gerne hätten. In der Schule haben wir gelernt, ruhig zu sein, weil es so erwartet wird. In der Arbeit haben wir gelernt, dieses oder jenes Verhalten zu zeigen, weil es so erwartet wird. Wir haben gelernt, höflich zu KundInnen zu sein, auch wenn wir innerlich brodeln. Das ist wichtig, und das ist auch gut so – das stellt einen wichtigen Bereich der so genannten Emotionsregulation dar.

Erwartungen verschiedener anderer Bezugspersonen haben unser Verhalten flexibel beeinflusst, und das war auch gut so. Wenn wir an alte Stämme denken, an unsere Urahnen, die noch in Verbänden und Sippen lebten, so war es wichtig, mit möglichst vielen Personen gut zu sein. Je beliebter jemand war, desto eher wurde einem auch geholfen, jede einzelne Person war damit potentiell wichtig für unser eigenes Überleben.

Allerdings kann es im Verlauf des Erwachsen werden und darüber hinaus passieren, dass wir in Familien- oder Beziehungssituationen „gefangen“ sind und nicht mehr auf eigene Bedürfnisse achten. Wir leben dann nicht mehr authentisch. Werden die eigene Persönlichkeit und die eigenen Bedürfnisse zu sehr für andere hintangestellt, verletzt man nur sich selbst.

Sobald man allerdings lernt, wer man ist, und die eigenen Bedürfnisse kennen und achten lernt, beginnt man, authentisch zu leben! In meiner Praxis erlebe ich immer wieder, dass dadurch wundervolle Transformationsprozesse gestartet werden.

Man „zieht“ die „richtigen“ Personen an

Wenn man nicht authentisch ist, und seine Bedürfnisse und Persönlichkeit nicht klar zum Ausdruck bringt, ist man auch umgeben von Personen, die diese „falschen“ Persönlichkeitsanteile fördern und bestärken. Eigentlich logisch – wenn man eigene Bedürfnisse zugunsten eines Partners oder Partnerin zurück steckt, und nicht authentisch eine andere Persönlichkeit aufbaut und zeigt, ist man auch gefangen in unglücklichen Umständen und umgeben von negativen Gedanken. Es ist ziemlich ermüdend und erschöpfend, die eigene Persönlichkeit tagtäglich zu verstellen und eigene Bedürfnisse zu ignorieren. Viele Menschen haben Angst, davor, alles zu verlieren, wenn sie beginnen, so zu sein wie sie eigentlich sein wollen, sie sind gefangen in einer Komfort-Zone. Meine Frage an sie lautet allerdings – WAS verlieren sie? Haben sie wirklich Angst davor etwas zu verlieren das sie im Grunde eigentlich unglücklich macht?

Sobald man die eigene wahre Persönlichkeit zeigt und auch die eigenen Bedürfnisse klar und sachlich formuliert, sich auch nicht davor scheut, vor anderen Personen zu den eigenen Schwächen zu stehen, zieht man gewisse Menschen, Freunde und LebenspartnerInnen an. Man verliert falsche Freunde, man verliert eventuell auch den vermeintlichen Lebenspartner, aber man beginnt, sich mit anderen Menschen im Leben anzuziehen. Mit etwas Glück findet man dann auch den einen oder die eine PartnerIn, die einen so akzeptiert wie man ist – man zeigt ja seine wahre Persönlichkeit, steht zu den eigenen Bedürfnissen, und hat auch keine Angst davor, die eigenen Schwächen zu zeigen, kurz gesagt – man ist authentisch.

Man findet seine Gruppe

Ich hatte vor vier Jahren noch völlig andere Freunde. Sobald ich begonnen habe, verstärkt authentisch zu sein, merkte ich Widerstand bei anderen Personen. Sie waren es gewohnt, mit jemandem zu tun zu haben, der ständig „Ja“ sagt. Selbstverständlich war es unangenehm, wenn ich auf einmal meine eigenen Bedürfnisse kundgab, und manche Dinge nicht mehr akzeptierte.

Freundschaften veränderten sich, wurden weniger, hörten völlig auf. Dafür passierte etwas anderes wunderschönes, es ergaben sich andere stabile Freundschaften, die bis heute andauern. Auch in meiner Beratungsarbeit bemerke ich immer wieder einen sagenhaften Transformationsprozess – sobald Menschen beginnen, mit meiner Hilfe ihre wahren Bedürfnisse zu entdecken, zu akzeptieren und auch zu kommunizieren, verändert sich fast immer der Kreis der Personen, mit denen sie Kontakt haben. Nach und nach findet sich jeweils immer eine Gruppe, die einen so akzeptiert wie man ist, und man hat auch das Gefühl authentisch mit all den Stärken und Schwächen so akzeptiert zu werden wie man ist.

Man ist gesünder

Anteile der eigenen Persönlichkeit zu verstecken, und nicht auf die eigenen Bedürfnisse zu achten, ist extrem ermüdend und erschöpfend. Es braucht extrem viel Energie, und die ständigen kleinen Enttäuschungen im Alltag, wenn eigene Bedürfnisse ignoriert werden, rauben Lebenskraft. Ich hatte KlientInnen, die objektiv gesehen gesund lebten. Sie hatten ausreichend Schlaf, ernährten sich gesund, betrieben viel Sport, waren aber dennoch ständig krank. Das Immunsystem war offenbar von etwas ganz anderem angeschlagen. Das Bewusstsein, dass ein nicht authentisches Leben potentiell gesundheitsbedrohend sein kann, ist für viele gerade zu Beginn nicht nachvollziehbar.

Sobald man aber beginnt, authentisch zu leben, bemerken viele auch eine Verbesserung ihrer Gesundheit. Man interessiert sich verstärkt für positive Dinge, positive Menschen sowie positive Lebensumstände, man macht das was einem gut tut und hört auf die eigenen Bedürfnisse. Mit den richtigen Menschen zusammen zu sein führt zu einem erhöhten Ausstoß an Endorphinen, man fühlt sich glücklicher und zufriedener. Das führt auch dazu, dass andere prinzipiell glückliche Menschen gerne mit einem zusammen sind – über die Zeit hinweg führt ein authentisches Leben also zu einem enormen Zuwachs an positiver Energie!

Zusammenfassung

Viele Menschen leben nicht authentisch, sei es durch äußere Lebensumstände bedingt, oder auch durch eigene Ängste. Das führt dazu, dass man nicht auf die eigenen Bedürfnisse hört, sich selbst verstellt, und viel Energie darin investiert, eigene Persönlichkeitsanteile vor anderen zu verbergen. Das ist extrem ermüdend und erschöpfend, und kann bei manchen auch zu einem geschwächten Immunsystem führen. Sobald man allerdings beginnt, die eigenen Bedürfnisse kennenzulernen, diese zu achten und auch für diese einzutreten, also authentisch seine Persönlichkeit so zu zeigen wie sie ist, beginnt ein unglaublicher Transformationsprozess. Über die Zeit hinweg zieht man andere Personen sowie andere Lebensumstände an, die förderlich für einen sein können. Man findet Menschen, die einen so akzeptieren wie man ist, mit all den Stärken und Schwächen. Man fühlt wahres Glück, so wie es jeder verdient!

Authentizität kann also eine Reise in einem Leben auslösen das zu Glück führen kann. Ich stehe gerne für Beratungsgespräche zur Verfügung, wenn sie mehr Authentizität und Echtheit in ihrem Leben integrieren wollen. Alles Gute für Ihre Reise!

Über mich: Ich bin Klinischer Psychologe und Gesundheitspsychologe sowie zertifizierter Arbeits-, Wirtschafts- und Organisationspsychologe, Vater von zwei Teenagern und Ehemann „from the best human being“. Ich arbeite seit 2008 in freier Praxis als Berater und Psychologe, um Menschen mit wissenschaftlich fundierten Methoden zu einem erfüllteren und glücklicheren Leben zu verhelfen. Weiters arbeite ich im wissenschaftlichen Bereich, bin Postdoctoral Research Fellow an der Sigmund Freud Privatuniversität in Wien als auch an der Vanderbilt Universität in Nashville, Tennessee/USA mit den Forschungsschwerpunkten Psychologie und neue Medien sowie Prävention von Depression und Angststörungen. Ich bin Autor zahlreicher Artikel, Buchkapitel sowie Sprecher auf Konferenzen und Kongressen.