Der Kapitän in deinem Leben

“Irgendwie lernen wir, wer wir wirklich sind, und müssen mit dieser Entscheidung leben.” 

Eleanor Roosevelt

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Ich mag dieses Zitat von Eleanor Roosevelt. Es sagt aus, dass es unsere Entscheidung ist, wer wir wirklich sind, und wir mit diesen Entscheidungen leben müssen. Das bedeutet auch, dass es nicht gottgegeben oder unveränderlich ist, so wie wir sind! Darum ist es von Bedeutung, dass wir mit uns selbst verbunden sind, damit wir wissen was wir wollen.

Die Idee für den heutigen Blogbeitrag hatte ich heute, ich war fast zwei Wochen lang krank. Es startete als kleinere Verkühlung, wurde zwischendurch besser, dann wieder stärker – kurz gesagt, ich war nicht in der Lage, weltbewegende Dinge zu tun, da ich großteils ans Bett gefesselt war. Ich sehe es allerdings positiv, da es mir diese Zeit erlaubte, mich wieder mit meinem so genannten „Wahren Ich“ zu verbinden, um wieder Entscheidungen für mich selbst zu treffen. Ich bin gerne der Kapitän auf meinem eigenen Schiff namens „Leben“.

Der heutige Blogbeitrag handelt daher über die eine Person, die wichtigste Person in deinem Leben, du selbst. Wie kannst du erwarten, dass dich andere mit Respekt behandeln, wenn du dich selbst nicht mit Respekt behandelst? Wie kannst du erwarten, dass sich dein Leben in eine erwünschte Richtung ändert, wenn du nicht weißt in welche Richtung du willst? Niemand geht gerne auf ein Schiff und segelt los, ohne zu wissen wo es eigentlich hingehen soll. Der heutige Blogbeitrag soll dir daher dabei helfen, über die Richtung deines Schiffs klar zu werden.

Mit deinem Inneren verbunden sein

Wenn ich davon spreche, mit „dem wahren Ich“ verbunden zu sein, meine ich deine innersten Sehnsüchte, Gedanken, Sorgen, Ängste, das was dich ausmacht, aber was wir nicht immer wahrnehmen.

Als ich das erste Mal gefragt wurde, ob ich mit meinem wahren Ich verbunden sei, war ich im ersten Moment überrascht und antwortete mit „Ja natürlich!“. Immerhin lebe ich jeden Tag mit mir selbst, ich müsste mich selbst ja eigentlich bestens kennen. Dann dachte ich jedoch nach, und zögerte. Kenne ich mich wirklich? Kennst du dich selbst? Weißt du, was du wirklich willst?

Ich habe gelernt, öfters mit meinem wahren Ich in Kontakt zu treten, um herauszufinden, was ich möchte. Hin und wieder genehmige ich mir eine Auszeit vom Alltag, schalte Computer und Mobiltelefone ab, bin nicht erreichbar, und habe ein paar Stunden nur für mich selbst. Ich höre keine Musik, ich lese kein Buch, ich BIN einfach nur. Ich existiere, ich atme, praktiziere Achtsamkeit. Ich betrachte meine Gedanken, lasse sie kommen wie sie kommen, und es ist das beste Feedback, das ich über meine derzeitige Lebenssituation bekommen kann. Das hilft mir auch dabei, Entscheidungen zu treffen, die allmählich die Richtung meines Lebens zu bestimmen. Ich bin selbst am Steuerrad.

Mit Baby-Schritten das „Wahre Ich“ kennenlernen

Auszeit! Um das wahre Ich und die wahren eigenen Bedürfnisse kennen zu lernen, ist es hilfreich, mit kleinen Schritten einer Auszeit zu beginnen. Achtsamkeitsübungen helfen vor allem dabei, die eigenen Gedanken wahrzunehmen. Suche dir einen Raum, in dem du ungestört für zumindest fünf Minuten bist. Kein Internet, kein Telefon, kein Fernseher, kein Buch – nur du und deine Gedanken. Sitz einfach da und atme. Betrachte deinen Gedankenstrom, und lass ihn strömen so wie er kommt. Beurteile nicht. Sei aufmerksam und neugierig wie ein kleines Kind, und betrachte deine Gedanken wie sie kommen und gehen, und in welche Richtungen sie sich verändern.

Es wird nicht einfach sein, aber fünf Minuten sollten ausreichen. Du kannst es ja dann kontinuierlich steigern, auf zehn Minuten, fünfzehn, oder sogar noch länger – bis du bei einer Zeit bist, die für dich angenehm ist.

Etwas das ich nicht oft genug wiederholen kann – führe ein Tagebuch! Notiere nach jeder Auszeit, welche Gedanken kamen. Über die Zeit hinweg wirst du ein Muster feststellen, in welche Richtung deine Gedanken dich tragen, und du bekommst ein Gefühl oder sogar ein Wissen darüber, was deine Ziele sind. Das hilft dir auch dabei, Entscheidungen zu treffen, die nach Deinem Wahren Ich ausgerichtet sind, nach deinen eigenen Bedürfnissen und Wünschen!

Behutsam mit Zielen umgehen

Wenn du nicht weißt was du willst, kannst du auch nicht erwarten, dass du das bekommst, was du gerne hättest. Niemand segelt auf einem Schiff los, von dem nicht bekannt ist, wo es eigentlich hingehen soll!

Achtsamkeitsübungen helfen dir dabei, mehr über deine innersten Sehnsüchte und Wünsche herauszufinden. Was möchtest du für dich? Was ist es, das dich im Leben antreibt? Wo möchtest du hin? Wo möchtest du, dass dich dein Schiff im Leben hinträgt?

Wenn du kleinere oder auch größere Ziele definiert hast, kannst du auch Anstrengungen unternehmen, um diese Ziele zu erreichen. Ich empfehle, größere Ziele in kleinere umzuwandeln, damit du erfolgreiche leicht erreichbare Zwischenschritte setzen kannst. Es ist immer hilfreich, kleinere Schritte erfolgreich abzuschließen, die dich allmählich einem größeren Ziel entgegentragen. Ähnlich einem Schiff kannst du mehrere Zwischenlandungen planen, bis du an deinem Ziel angelangt bist.

Sobald du deine Ziele definiert hast, ist es wichtig, entsprechende Schritte zu planen und zu setzen. Brich deine Schritte möglichst auf kleinste Einzelteile nieder, damit du nicht allzu überfordert von großen Zielen bist. Auch hier kann ich es nicht oft genug wiederholen – besorge dir und führe ein Tagebuch! Viele meiner Klienten und KlientInnen sind wirklich überrascht von den positiven Effekten, die das Führen von Tagebüchern nach einiger Zeit mit sich bringen kann. Es werden Ziele klarer definiert, es werden Zwischenschritte definiert, erreicht und auch sichtbar gemacht, und damit wirst du auch ständig über kleinere Erfolge erinnert – das motiviert unglaublich!

Was nun?

Viele dieser Tipps für ein besseres Leben nach deinem wahren Ich kennst du mit Sicherheit. Gesunde Ernährung, viel Bewegung, Meditation, das alles sind keine unbekannten positiven Dinge, die du in dein Leben integrieren kannst. Die Frage ist – warum machst du es nicht? Das Problem ist, dass wir es nicht oft genug tun.

Unser Leben, unser Alltag, bestehen nicht aus großen Entscheidungen und großen Zielen, sondern meist aus kleinen Entscheidungen (und kleinen Zielen), die wir tagtäglich treffen müssen. Anstatt vor dem Fernseher zu sitzen, könnten wir ja jemanden treffen. Anstatt mit dem Handy zu spielen, könnten wir ein Abendessen für unseren Partner oder unsere Partnerin/unsere Familie kochen. Anstatt Schokolade könnten wir ja einen Apfel essen. Es sind wie so oft die kleinen Entscheidungen, die uns ausmachen, und die unseren Alltag bestimmen. Indem wir unsere kleinen Entscheidungen ändern, werden wir auch uns selbst über die Zeit hinweg ändern, eine kleine Entscheidung nach der anderen.

Übungen, die uns mit unserem Wahren Ich in Kontakt treten lassen, helfen uns dabei zu bestimmen, in welche Richtung wir eigentlich wollen, damit wir selbst wieder der Kapitän in unserem Leben sind. Damit haben wir auch die Chance, unsere kleinen (und großen) Entscheidungen in diese Richtung abzuändern, nur um dann eines Tages verwundert festzustellen, dass wir mit unserem Schiff plötzlich dort sind, wo wir immer hin wollten!

Sollten Sie Hilfe und Unterstützung benötigen, bin ich gerne für Sie unter office@drlehenbauer.com da!

Über mich: Ich bin Klinischer Psychologe und Gesundheitspsychologe sowie zertifizierter Arbeits-, Wirtschafts- und Organisationspsychologe, Vater von zwei Teenagern und Ehemann “from the best human being”. Ich arbeite seit 2008 in freier Praxis als Berater und Psychologe vor allem im Bereich der Onlineberatung, um Menschen mit wissenschaftlich fundierten Methoden zu einem erfüllteren und glücklicheren Leben zu verhelfen. Weiters arbeite ich im wissenschaftlichen Bereich, bin Postdoctoral Research Fellow an der Sigmund Freud Privatuniversität in Wien als auch an der Vanderbilt Universität in Nashville, Tennessee/USA mit den Forschungsschwerpunkten Psychologie und neue Medien sowie Prävention von Depression und Angststörungen. Ich bin Autor zahlreicher Artikel, Buchkapitel sowie Sprecher auf Konferenzen und Kongressen.