Die Macht negativer Gedanken

DSC02809

„Das, was jemand von sich selbst denkt, bestimmt sein Schicksal“.

Mark Twain

IMG_6706Unser Denken bestimmt unser Schicksal – nur wenige Menschen werden noch nie davon gehört haben. Auch die Psychologie hat dazu etwas zu sagen. Mit „Train of Thoughts“ – ein ständiger Gedankenstrom – bezeichnet man im englischen Raum das Phänomen, dass Menschen im Wachzustand immer denken. Egal, ob du gerade einen Film im Fernsehen ansiehst, dieses Buch liest, Sport betreibst, ein Bad nimmst, am Weg zur Arbeit bist – du denkst immer. Das bedeutet im übertragenen Sinne auch, dass unser Denken unser Leben bestimmt (sozusagen unser Schicksal). Der heutige Blog behandelt so genannte negative automatische Gedanken, die jeder von uns in der einen oder anderen Form erlebt.

Wir denken ständig

Versuche einmal, eine ganze Minute lang an nichts zu denken. Dein Kopf sollte leer sein, keine Stimmen im Kopf, keine Erinnerungen, keine Bilder. Das gelingt nur wenigen Menschen auf dieser Erde (meist meditierende Mönche, die diesen Zustand über Jahre oder Jahrzehnte hinweg trainieren).

Da wir tagtäglich mit diesem Gedankenstrom konfrontiert sind, soll dieser Artikel darüber aufklären, was es mit diesem Strom auf sich hat, und was negative automatische Gedanken sind. Bereits das Wissen über das eigene Denken (ein Denken an das Denken) reicht aus, um das eigene Denken und damit auch Menschen zu verändern.

Jeder Mensch denkt immer und überall. Man erinnert sich an Situationen, durchlebt gewisse Situationen nochmals im Kopf, eine Stimme im Kopf liest mit, wenn wir ein Buch lesen, wenn wir Musik hören, uns mit Freunden unterhalten, kurz vor dem Einschlafen sind, und wenn wir aufwachen. Eng verbunden mit unseren Gedanken sind auch unsere Gefühle. Negative Gedanken lösen in der Regel unmittelbar auch eher negative, beklemmende Emotionen aus und umgekehrt.

Negative automatische Gedanken

Besonders häufig bei vielen Personen sind so genannte negative automatische Gedanken. Diese Gedanken werden deshalb als automatisch bezeichnet, da sie „automatisch“, ohne unser bewusstes Zutun, ablaufen. Sobald wir in eine für uns unangenehme Situation kommen, kann es sein, dass negative Gedanken automatisch ablaufen. Beispiele dazu sind:

  • Jemand beendet eine Beziehung. Es kommen automatisch Gedanken wie „Ich bin nicht liebenswert“, „Ich werde für immer allein sein“,oder „Ich werde nie wieder jemanden finden“.
  • Jemand bekommt eine negative Note auf eine Prüfung. Es kommen automatisch Gedanken wie „Ich werde das nie schaffen“, „Die anderen sind immer besser“, „Ich werde ständig ein Verlierer sein“.
  • Jemand heiratet. Auch ein positives Ereignis kann negative Gedanken auslösen, wie beispielsweise: „Ich werde es nie schaffen, die andere Person glücklich zu machen“, „Ich habe so viel Glück gar nicht verdient“ oder „Er/Sie hat einen besseren Partner verdient“.

Diese negativen automatischen Gedanken kommen in einer mehr oder weniger ausgeprägten Form bei fast jedem Menschen vor. Meistens stammen diese Gedanken aus negativen Erfahrungen in der Kindheit und Jugend, die sich gefestigt haben, sie werden daher auch als „Grundüberzeugung“ bezeichnet. Vor allem bei unsicheren Menschen laufen sehr oft negative Gedanken automatisch „im Hintergrund“ mit, ohne dass sie sich dessen bewusst sind.

Arten negativer Gedanken

Auch erfolgreiche Menschen haben Selbstzweifel und negative Gedanken, im Unterschied zu weniger erfolgreichen Menschen lassen sich diese nicht von diesen negativen Gedanken beirren. Wichtig ist daher, sich der Macht dieser Gedanken bewusst zu werden, um etwas dagegen tun zu können. Negative automatische Gedanken lassen sich in mehrere teils überlappende Kategorien (jeweils mit Beispielen) unterteilen:

  • Alles-oder-Nichts- Denken: Ich muss eine Sache perfekt machen, ansonsten bin ich ein Versager.  Ich werde im  _____________ nie gut sein.
  • Die Zukunft vorhersagen: Ich weiß, dass etwas Negatives passieren wird. Es wird immer wieder passieren.
  • Sollen und Müssen/Übertreibungen: Ich hätte ________ besser oder anders machen sollen. Ich muss immer das so machen. Ich muss in _______________ gut sein.
  • Gedanken-Lesen: Ich weiß, was die anderen denken. Ich weiß, wie mein Partner/mein Boss/meine Kollegen über mich denken. Sie lachen über mich. Sie nehmen mich nicht ernst. Wenn _______ so über mich denkt, werden die anderen das auch tun.
  • Katastrophisieren: Wenn ich anfange zu stottern, ist alles aus. Dann bin ich der totale Außenseiter. Ich werde bestimmt keinen Ton herausbringen. Wenn _________ mich verlässt, stürzt die Welt zusammen. Ich werde nie wieder jemanden finden. Ich werde total versagen.
  • Nicht-können: Ich kann das nicht. Ich werde das nie können. Ich brauche es erst gar nicht probieren. Ich werde nicht in der Lage sein, die Situation zu meistern.
  • Nicht den eigenen Fähigkeiten vertrauen: Das kann jeder. Es war Zufall, dass das geklappt hat. Nächstes Mal wird es bestimmt wieder schieflaufen. Das war doch keine besondere Leistung von mir.

In der einen oder anderen Form kann sich jeder Mensch mit einigen dieser Gedanken identifizieren, vielleicht findest du dich auch in einigen dieser Gedanken wieder. Bereits das Wissen über negative Gedanken kann ausreichen, um diese zu identifizieren und im Idealfall auch zu ändern.

Manchmal ist es jedoch auch hilfreich, mit einem Professionisten über persönliche Probleme zu sprechen. Im Rahmen meiner Onlineberatung stehe ich gerne für weitere Fragen oder für eine persönliche Sprechstunde zur Verfügung, senden Sie mir einfach eine Email an office@drlehenbauer.com.  Wenn Sie Interesse an weiteren Blog-Artikeln und sonstigen Themen im Bereich der Psychologie haben, können Sie sich auch gerne für meinen Newsletter im rechten Bereich der Homepage anmelden.

Über den Autor: Mag. Dr. Mario Lehenbauer-Baum ist Klinischer Psychologe, Gesundheitspsychologe, zertifizierter Arbeits-, Wirtschafts- und Organisationspsychologe, Autor und Herausgeber zahlreicher Artikel und Buchkapitel, Motivationscoach und professioneller Sprecher auf Konferenzen, sowie in der universitären Forschung tätig. Seine Forschungsschwerpunkte fokussieren auf die Schnittstelle Psychologie und neue Medien (Online-Rollenspiele, Internetsucht, Internetgebrauch in der Praxis), virtuelle Realitäten sowie Games for Health (digitale Spiele und psychologische Interventionen). In seiner Praxis fokussiert er vor allem auf positive Psychologie, um Menschen zu einem glücklicheren und erfüllteren Leben zu verhelfen, sowie auf wissenschaftlich fundierte kognitiv-lerntheoretisch/verhaltenstherapeutische Methoden.