Social Media in der psychologischen Praxis

Facebook in der psychologischen Praxis?

Psychologen sind naturgemäß skeptisch, was Möglichkeiten neuer Medien betrifft, und das ist selbstverständlich nachvollziehbar. Professionelle und ethische Bedenken vermischen sich mit Befürchtungen, als Psychologe von der Technik abgelöst zu werden.

Allerdings sind Menschen (und damit auch Klienten und Patienten) online, und benutzen vermehrt Facebook und Twitter. Als Psychologe selbst hinterlässt man unweigerlich eine digitale Spur sobald man im Internet präsent ist, ob man es möchte oder nicht.

Damit bestehen die Herausforderungen für den Berufsstand der Psychologen im Gesundheitswesen darin, Rahmenbedingungen für einen professionellen Umgang mit neuen Medien zu finden. Psychologen besitzen unterschiedliche Erfahrungen mit neuen Medien, sie variieren von E-Mail Usern bis hin zu Menschen, die leidenschaftlich twittern und auf Facebook oder Instagram tätig sind. Unabhängig davon, wie erfahren Sie sind, in meiner eigenen Social Media Tätigkeit bedenke ich vor allem folgendes:

Ihre Klienten entscheiden, wie sie mit Ihnen kommunizieren wollen!

Es gibt Klienten, die sich für E-Mail-Zusendungen entscheiden, andere nehmen via Facebook Kontakt auf.  Entscheiden Sie sich für nur einen Informationskanal, riskieren Sie, Klienten zu verlieren. Sinnvoll wäre daher ein Mix aus diversen Informationskanälen, allerdings unter behutsamer Auswahl der einzelnen Medien.

Betrachten Sie die Vorteile der Möglichkeiten von Social Media!

Sie können sehr viele Menschen in Ihrem Netzwerk erreichen, die ebenfalls wiederum über ein großes Netzwerk verfügen. Eine Twitter-Meldung verbreitet sich rascher und nahezu real-time, während word-of-mouth networking Tage bis Wochen benötigt.

Integrieren Sie Social Media in Ihre Kommunikationsstrategien!

Social Media sollte nicht für sich allein betrachtet werden, sondern in ein gut abgestimmtes Kommunikationsportfolio integriert sein. Eine Homepage dient als erste Anlaufstelle, damit Klienten Sie im Internet finden können und Informationen über Ihr Behandlungsangebot bekommen. E-Mails und Telefon dienen der Kontaktaufnahme, während Blogs, Diskussionsforen im Internet dazu dienen können, Aufklärung über Ihre bevorzugten Arbeitsweisen zu geben.

Last, but not least – beachten sie den Ethik Code!

Ethik-Richtlinien, die offline gelten, können auch auf das Internet übertragen werden. Dazu gehört, dass sie keine Online-Behandlung anbieten (da diese derzeit nicht genügend erforscht und evaluiert ist, und gesetzlich in Österreich nicht abgesichert ist), keine Diagnosen über Facebook stellen oder unseriöse Werbung auf Twitter oder Facebook betreiben.

Sollten Sie einen Infofolder über Ihre Arbeit haben, dann wäre es beispielsweise von Vorteil, den Punkt “Social Media” explizit anzusprechen. Weiters sollten sie Social Media auch in der Praxis thematisieren, beispielsweise dass Sie zwar auf Facebook präsent sind, aber keine “Friends”-Einladungen von KlientInnen akzeptieren können, da eine die Interaktion Klient-Psychologe ausschließlich in der Praxis stattfinden soll. Erste Kontaktaufnahmen sind prinzipiell möglich, weitere Kontakte über Facebook sind aus meiner Sicht aus ethischen Überlegungen her abzulehnen.

Für weitere Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung!

Mag. Dr. Mario Lehenbauer

Über den Autor: Mag. Dr. Mario Lehenbauer-Baum ist Klinischer Psychologe, Gesundheitspsychologe, zertifizierter Arbeits-, Wirtschafts- und Organisationspsychologe, Autor und Herausgeber zahlreicher Artikel und Buchkapitel, Motivationscoach und professioneller Sprecher auf Konferenzen, sowie in der universitären Forschung tätig. Seine Forschungsschwerpunkte fokussieren auf die Schnittstelle Psychologie und neue Medien (Online-Rollenspiele, Internetsucht, Internetgebrauch in der Praxis), virtuelle Realitäten sowie Games for Health (digitale Spiele und psychologische Interventionen). In seiner Praxis fokussiert er vor allem auf positive Psychologie, um Menschen zu einem glücklicheren und erfüllteren Leben zu verhelfen, sowie auf wissenschaftlich fundierte kognitiv-lerntheoretisch/verhaltenstherapeutische Methoden.