Der Kapitän in deinem Leben

“Irgendwie lernen wir, wer wir wirklich sind, und müssen mit dieser Entscheidung leben.” 

Eleanor Roosevelt

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Ich mag dieses Zitat von Eleanor Roosevelt. Es sagt aus, dass es unsere Entscheidung ist, wer wir wirklich sind, und wir mit diesen Entscheidungen leben müssen. Das bedeutet auch, dass es nicht gottgegeben oder unveränderlich ist, so wie wir sind! Darum ist es von Bedeutung, dass wir mit uns selbst verbunden sind, damit wir wissen was wir wollen.

Die Idee für den heutigen Blogbeitrag hatte ich heute, ich war fast zwei Wochen lang krank. Es startete als kleinere Verkühlung, wurde zwischendurch besser, dann wieder stärker – kurz gesagt, ich war nicht in der Lage, weltbewegende Dinge zu tun, da ich großteils ans Bett gefesselt war. Ich sehe es allerdings positiv, da es mir diese Zeit erlaubte, mich wieder mit meinem so genannten „Wahren Ich“ zu verbinden, um wieder Entscheidungen für mich selbst zu treffen. Ich bin gerne der Kapitän auf meinem eigenen Schiff namens „Leben“.

Der heutige Blogbeitrag handelt daher über die eine Person, die wichtigste Person in deinem Leben, du selbst. Wie kannst du erwarten, dass dich andere mit Respekt behandeln, wenn du dich selbst nicht mit Respekt behandelst? Wie kannst du erwarten, dass sich dein Leben in eine erwünschte Richtung ändert, wenn du nicht weißt in welche Richtung du willst? Niemand geht gerne auf ein Schiff und segelt los, ohne zu wissen wo es eigentlich hingehen soll. Der heutige Blogbeitrag soll dir daher dabei helfen, über die Richtung deines Schiffs klar zu werden.

Mit deinem Inneren verbunden sein

Wenn ich davon spreche, mit „dem wahren Ich“ verbunden zu sein, meine ich deine innersten Sehnsüchte, Gedanken, Sorgen, Ängste, das was dich ausmacht, aber was wir nicht immer wahrnehmen.

Als ich das erste Mal gefragt wurde, ob ich mit meinem wahren Ich verbunden sei, war ich im ersten Moment überrascht und antwortete mit „Ja natürlich!“. Immerhin lebe ich jeden Tag mit mir selbst, ich müsste mich selbst ja eigentlich bestens kennen. Dann dachte ich jedoch nach, und zögerte. Kenne ich mich wirklich? Kennst du dich selbst? Weißt du, was du wirklich willst?

Ich habe gelernt, öfters mit meinem wahren Ich in Kontakt zu treten, um herauszufinden, was ich möchte. Hin und wieder genehmige ich mir eine Auszeit vom Alltag, schalte Computer und Mobiltelefone ab, bin nicht erreichbar, und habe ein paar Stunden nur für mich selbst. Ich höre keine Musik, ich lese kein Buch, ich BIN einfach nur. Ich existiere, ich atme, praktiziere Achtsamkeit. Ich betrachte meine Gedanken, lasse sie kommen wie sie kommen, und es ist das beste Feedback, das ich über meine derzeitige Lebenssituation bekommen kann. Das hilft mir auch dabei, Entscheidungen zu treffen, die allmählich die Richtung meines Lebens zu bestimmen. Ich bin selbst am Steuerrad.

Mit Baby-Schritten das „Wahre Ich“ kennenlernen

Auszeit! Um das wahre Ich und die wahren eigenen Bedürfnisse kennen zu lernen, ist es hilfreich, mit kleinen Schritten einer Auszeit zu beginnen. Achtsamkeitsübungen helfen vor allem dabei, die eigenen Gedanken wahrzunehmen. Suche dir einen Raum, in dem du ungestört für zumindest fünf Minuten bist. Kein Internet, kein Telefon, kein Fernseher, kein Buch – nur du und deine Gedanken. Sitz einfach da und atme. Betrachte deinen Gedankenstrom, und lass ihn strömen so wie er kommt. Beurteile nicht. Sei aufmerksam und neugierig wie ein kleines Kind, und betrachte deine Gedanken wie sie kommen und gehen, und in welche Richtungen sie sich verändern.

Es wird nicht einfach sein, aber fünf Minuten sollten ausreichen. Du kannst es ja dann kontinuierlich steigern, auf zehn Minuten, fünfzehn, oder sogar noch länger – bis du bei einer Zeit bist, die für dich angenehm ist.

Etwas das ich nicht oft genug wiederholen kann – führe ein Tagebuch! Notiere nach jeder Auszeit, welche Gedanken kamen. Über die Zeit hinweg wirst du ein Muster feststellen, in welche Richtung deine Gedanken dich tragen, und du bekommst ein Gefühl oder sogar ein Wissen darüber, was deine Ziele sind. Das hilft dir auch dabei, Entscheidungen zu treffen, die nach Deinem Wahren Ich ausgerichtet sind, nach deinen eigenen Bedürfnissen und Wünschen!

Behutsam mit Zielen umgehen

Wenn du nicht weißt was du willst, kannst du auch nicht erwarten, dass du das bekommst, was du gerne hättest. Niemand segelt auf einem Schiff los, von dem nicht bekannt ist, wo es eigentlich hingehen soll!

Achtsamkeitsübungen helfen dir dabei, mehr über deine innersten Sehnsüchte und Wünsche herauszufinden. Was möchtest du für dich? Was ist es, das dich im Leben antreibt? Wo möchtest du hin? Wo möchtest du, dass dich dein Schiff im Leben hinträgt?

Wenn du kleinere oder auch größere Ziele definiert hast, kannst du auch Anstrengungen unternehmen, um diese Ziele zu erreichen. Ich empfehle, größere Ziele in kleinere umzuwandeln, damit du erfolgreiche leicht erreichbare Zwischenschritte setzen kannst. Es ist immer hilfreich, kleinere Schritte erfolgreich abzuschließen, die dich allmählich einem größeren Ziel entgegentragen. Ähnlich einem Schiff kannst du mehrere Zwischenlandungen planen, bis du an deinem Ziel angelangt bist.

Sobald du deine Ziele definiert hast, ist es wichtig, entsprechende Schritte zu planen und zu setzen. Brich deine Schritte möglichst auf kleinste Einzelteile nieder, damit du nicht allzu überfordert von großen Zielen bist. Auch hier kann ich es nicht oft genug wiederholen – besorge dir und führe ein Tagebuch! Viele meiner Klienten und KlientInnen sind wirklich überrascht von den positiven Effekten, die das Führen von Tagebüchern nach einiger Zeit mit sich bringen kann. Es werden Ziele klarer definiert, es werden Zwischenschritte definiert, erreicht und auch sichtbar gemacht, und damit wirst du auch ständig über kleinere Erfolge erinnert – das motiviert unglaublich!

Was nun?

Viele dieser Tipps für ein besseres Leben nach deinem wahren Ich kennst du mit Sicherheit. Gesunde Ernährung, viel Bewegung, Meditation, das alles sind keine unbekannten positiven Dinge, die du in dein Leben integrieren kannst. Die Frage ist – warum machst du es nicht? Das Problem ist, dass wir es nicht oft genug tun.

Unser Leben, unser Alltag, bestehen nicht aus großen Entscheidungen und großen Zielen, sondern meist aus kleinen Entscheidungen (und kleinen Zielen), die wir tagtäglich treffen müssen. Anstatt vor dem Fernseher zu sitzen, könnten wir ja jemanden treffen. Anstatt mit dem Handy zu spielen, könnten wir ein Abendessen für unseren Partner oder unsere Partnerin/unsere Familie kochen. Anstatt Schokolade könnten wir ja einen Apfel essen. Es sind wie so oft die kleinen Entscheidungen, die uns ausmachen, und die unseren Alltag bestimmen. Indem wir unsere kleinen Entscheidungen ändern, werden wir auch uns selbst über die Zeit hinweg ändern, eine kleine Entscheidung nach der anderen.

Übungen, die uns mit unserem Wahren Ich in Kontakt treten lassen, helfen uns dabei zu bestimmen, in welche Richtung wir eigentlich wollen, damit wir selbst wieder der Kapitän in unserem Leben sind. Damit haben wir auch die Chance, unsere kleinen (und großen) Entscheidungen in diese Richtung abzuändern, nur um dann eines Tages verwundert festzustellen, dass wir mit unserem Schiff plötzlich dort sind, wo wir immer hin wollten!

Sollten Sie Hilfe und Unterstützung benötigen, bin ich gerne für Sie unter office@drlehenbauer.com da!

Über mich: Ich bin Klinischer Psychologe und Gesundheitspsychologe sowie zertifizierter Arbeits-, Wirtschafts- und Organisationspsychologe, Vater von zwei Teenagern und Ehemann “from the best human being”. Ich arbeite seit 2008 in freier Praxis als Berater und Psychologe vor allem im Bereich der Onlineberatung, um Menschen mit wissenschaftlich fundierten Methoden zu einem erfüllteren und glücklicheren Leben zu verhelfen. Weiters arbeite ich im wissenschaftlichen Bereich, bin Postdoctoral Research Fellow an der Sigmund Freud Privatuniversität in Wien als auch an der Vanderbilt Universität in Nashville, Tennessee/USA mit den Forschungsschwerpunkten Psychologie und neue Medien sowie Prävention von Depression und Angststörungen. Ich bin Autor zahlreicher Artikel, Buchkapitel sowie Sprecher auf Konferenzen und Kongressen.

 

Achtsamkeit im hektischen Alltag finden

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„Achtsamkeit kann uns dabei helfen, wieder zu kommunizieren. Vor allem mit uns selbst!“

Thich Nhat Hanh

Es ist auch mir passiert… Stress im Alltag, Termine, Hektik, dieses Meeting, jenes Meeting… und man vergisst auf das Leben. Der heutige Blogbeitrag ist somit auch eine Erinnerung an mich, achtsam durch das Leben zu gehen, da man im Alltag so schnell darauf vergisst…

Was ist Achtsamkeit?

Achtsamkeit entstammt ursprünglich aus der asiatischen Philosophie, wurde jedoch auch von der westlichen Psychologie in den letzten Jahren verstärkt „beachtet“. Achtsamkeit beschreibt einen mentalen Zustand, in dem unsere Aufmerksamkeit vorwiegend auf die Gegenwart gelenkt wird. Das kann dadurch erreicht werden, indem wir unsere Gefühle, Gedanken und körperlichen Empfindungen so annehmen wie sie sind. Der Fokus wird dabei geschärft, und es werden Empfindungen so angenommen wie sie sind, ohne eine Wertung unsererseits – das kann durchaus eine psychologisch heilende Wirkung haben. Es gibt mehrere Übungen dazu, die auch in den Alltag eingebaut werden können. Sie werden bemerken, dass sich ihr mentaler Zustand über die nächsten Wochen hinweg verändern wird!

  1. Übung der Dankbarkeit: Jeden Morgen, sobald Sie munter werden, denken Sie an drei Dinge, für die sie derzeit dankbar sind. Je länger sie sich auf Dinge, für die sie dankbar sind, konzentrieren und fokussiert sind, desto länger können sie auch achtsam sein für positive Dinge, die um sie herum geschehen! Das können Dinge oder Personen sein, die sie üblicherweise als selbstverständlich sehen, die es aber eigentlich nicht sind.
  2. Übung des Fokus: Mentaler Fokus bezeichnet die Aufmerksam, die sie auf etwas richten. Bei dieser Übung geht es darum, dass sie das, was sie gerade tun, in vollem Bewusstsein tun – egal ob sie gerade Rad fahren, mit dem Auto oder der Bahn unterwegs sind, diesen Artikel oder einen Zeitungsartikel lesen, oder etwas anderes tun. Versuchen sie, sich wirklich auf diese Dinge zu konzentrieren, mindestens für 20 Sekunden. Versuchen sie, diese Zeit nach und nach auszudehnen.
  3. Übung der Entspannung: Nehmen Sie sich mindestens zwei Mal am Tag jeweils 10 Minuten Zeit, sich zu entspannen. Dabei geht es nicht darum, dass sie eine vollständige Entspannungsübung wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung durchführen (zumindest noch nicht zu Beginn), sondern sich bewusst Zeit für sich selbst und ihre Gedanken nehmen. Sie können sich selbst beruhigen und entspannen, indem sie beispielsweise auf ihre Atmung (im Idealfall Bauchatmung!) achten, und bewusst an die Worte „Ruhe“, „Stille“ oder „Gelassenheit“ denken.
  4. Übung der Stille: In unserer überaus hektischen Welt ist es für viele gar nicht mehr vorstellbar, absolute Stille auszuhalten. Dennoch ist es für einen ruhigen und achtsamen Geist wichtig, Stille auszuhalten und auch zu lernen, Stille zu ertragen. Das kann beispielsweise bei einem ruhigen Spaziergang ohne Musik passieren, bei dem sie ganz alleine mit sich selbst sind.
  5. Übung der Sinne: Unsere Sinne (wie beispielsweise Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten) sind immer aktiviert, in den meisten Fällen arbeiten sie jedoch unbewusst. Im Sinne der Achtsamkeit sollten sie versuchen, sich auf ihre Empfindungen der Sinne zu konzentrieren: Was schmecken sie genau in diesem Moment – welchen Geschmack haben sie im Mund? Was riechen sie? Bei der nächsten Mahlzeit lenken sie ihre Aufmerksamkeit bewusst auf ihre Sinne, wie schmeckt etwas, wie fühlt sich eine Speise im Mund an, aus welchen verschiedenen Komponenten besteht der Geruch einer Speise? Wie oft während des Tages fühlen sie sich stimuliert, aufgeregt, erregt, ängstlich, und warum ist das so? Anstatt sich ihren Empfindungen unbewusst hinzugeben, versuchen sie, diese bewusst anzunehmen und zu analysieren.
  6. Übung des eigenen Filters: Jeder Mensch nimmt seine oder ihre Umwelt durch einen Filter wahr, der unbewusst aktiviert ist. Dieser Filter, bestehend aus unseren Überzeugungen und Glaubenssätzen, bestimmt, wie bestimmte Informationen bei uns ankommen. Achtsam sein bedeutet, dass sie sich dessen bewusst sind, dass ihre Informationen durch einen Filter ankommen. Analysieren sie diesen Filter, nehmen sie wahr, wie welche Aktionen anderer Menschen bei ihnen ankommen, und warum welche Reaktionen bei ihnen ausgelöst werden. Glaubenssätze bedeuten, dass man eine Überzeugung hatte, wie manche Menschen sind – das bedeutet allerdings nicht, dass diese Glaubenssätze für immer gültig sind. Es ist wichtig, dass diese regelmässig achtsam analysiert und gegebenenfalls korrigiert werden.

 

Diese Übungen stellen nur einen kleinen Teil dessen dar, was sie mit Achtsamkeit im Alltag anstellen können. Wie bei vielem gilt auch hier, dass Übung den Meister macht. Achtsam sein bedeutet mehr Lebensfreude und Dankbarkeit im Alltag zu finden! Ich hoffe, dass sie – so wie ich – durch diesen Blogbeitrag wieder an die eine oder andere Übung erinnert werden, oder darauf aufmerksam werden, Achtsamkeit in den Alltag einzubauen. Ich stehe gerne zur Verfügung, wenn sie weitere Fragen diesbezüglich haben!

Über mich: Ich bin Klinischer Psychologe und Gesundheitspsychologe sowie zertifizierter Arbeits-, Wirtschafts- und Organisationspsychologe, Vater von zwei Teenagern und Ehemann “from the best human being”. Ich arbeite seit 2008 in freier Praxis als Berater und Psychologe vor allem im Bereich der Onlineberatung, um Menschen mit wissenschaftlich fundierten Methoden zu einem erfüllteren und glücklicheren Leben zu verhelfen. Weiters arbeite ich im wissenschaftlichen Bereich, bin Postdoctoral Research Fellow an der Sigmund Freud Privatuniversität in Wien als auch an der Vanderbilt Universität in Nashville, Tennessee/USA mit den Forschungsschwerpunkten Psychologie und neue Medien sowie Prävention von Depression und Angststörungen. Ich bin Autor zahlreicher Artikel, Buchkapitel sowie Sprecher auf Konferenzen und Kongressen.

Wissenschaftliche Fakten zur Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare

Grundsätzlich behandelt dieser Blog psychologische Themen. Ich bin auch als Beauftragter für Diversity des Berufsverbands Österreichischer Psychologinnen tätig, und möchte daher zu bestimmten gesellschaftspolitischen Inhalten, die mit dem Bereich „Diversity“ zusammenhängen, sachlich fundierte Information anbieten.

Vor allem möchte ich eine wissenschaftlich fundierte Stellungnahme abgeben zu einigen Presseaussendungen und so genannten „Experten-Interviews“, die sich mit dem viel zitierten Kindeswohl beschäftigen (unter anderem soll mit diesem Blog eine wissenschaftliche Richtigstellung der Presseaussendung der „Familiensprecherin“ der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ), Frau Anneliese Kitzmüller, stattfinden).

Zum Inhalt: Verfassungsgerichtshof kippt Adoptionsverbot für gleichgeschlechtliche Paare

Worum geht es in der Sache? Etwas, wofür auch ich seit Jahren gekämpft habe, wurde nun endlich wahr – das Adoptionsverbot für gleichgeschlechtliche Paare wurde aufgehoben. Leider nicht von Seiten der Politik, immerhin aber durch den Verfassungsgerichtshof. Die Aufhebung begründete der Präsident des österreichischen Verfassungsgerichtshofs damit, „dass es keine sachliche Rechtfertigung für eine ausschließlich nach der sexuellen Orientierung ausgerichtete differenzierende Regelung gibt“.

Das Stichwort lautet hier „sachlich“. Bleiben wir bei der Sache und sehen uns die Fakten an.

Das viel zitierte Kindeswohl und die Presseaussendung der FPÖ

In einzelnen Interviews argumentieren „ExpertInnen“ sehr gerne mit dem Kindeswohl, ohne jedoch auf die wissenschaftliche Faktenlage Rücksicht zu nehmen. Unter anderem ließ eine abwertende Presseaussendung der FPÖ zu diesem Entscheid nicht lange auf sich warten. Laut APA kommentiert die „Familiensprecherin“ NAbg. Anneliese Kitzmüller: „Heute ist ein ‚Schwarzer Tag‘ für Österreichs Kinder. Während Lesben und Schwule ins Zentrum gerückt werden, lässt man die Psyche der Kinder links liegen. Niemand behauptet, dass Homosexuelle per se schlechte Eltern seien, aber ein derartiges Konstrukt ist ungeeignet für die Psyche unserer Kinder.“ Weiters fordert sie mehr Hausverstand in der Debatte.

Gerne bin ich bereit, mit etwas mehr Hausverstand für einzelne „ExpertInnen“ und „FamiliensprecherInnen“ auszuhelfen. Manche „FamiliensprecherInnen“ sehen sich zwar als „ExpertInnen“ an, was das Kindeswohl betrifft, können aber keine entsprechende Ausbildung vorweisen. Zum Vergleich: Meine Qualifikation liegt um einiges höher, nach dem Abschluss des Diplomstudiums der Psychologie habe ich auch das Doktoratsstudium der Psychologie erfolgreich mit Auszeichnung bestanden. Ich arbeite in diesem Bereich und beschäftige mich mit entsprechenden Studien.

Gerne helfe ich daher so genannten „ExpertInnen“ und „FamiliensprecherInnen“ mit sachlich-wissenschaftlichen Fakten aus.

Wissenschaftliche Fakten zum Thema „Regenbogenfamilien“

Unter dem Begriff „Regenbogenfamilien“ werden derzeit Familien definiert, in denen mindestens ein Elternteil sich als schwul, lesbisch, bisexuell oder transgender versteht. In Österreich gibt es bereits hunderte bis tausende Familien, in den Kinder entweder aus voran gegangenen heterosexuellen Beziehungen stammen, in eine schwule oder lesbische Beziehung hineingeboren wurden, oder in denen Kinder adoptiert oder als Pflegekinder aufgenommen wurden.

Bereits vor 10 Jahren, im Jahr 2004, hat die amerikanische Berufsvereinigung von Psychologen (American Psychological Association) konstatiert, dass es keinerlei wissenschaftliche Belege dafür gibt, dass die sexuelle Orientierung der Eltern eine negative Auswirkung auf das Kindeswohl hat. Alle nach „guten Regeln der Wissenschaft“ durchgeführten Studien kommen einhellig zum Schluss, dass keinerlei negativen Auswirkungen auf das Kindeswohl feststellbar sind, eine rechtliche Diskriminierung von gleichgeschlechtlichen Elternpaaren mit Adoptionswunsch daher aus wissenschaftlicher Sicht nicht haltbar ist. Diese Auffassung wird auch von der American Academy of Pediatrics geteilt.

Eine der weltweit größten und aktuellsten Studien findet derzeit an der Melbourne-Universität in Australien statt (ACHESS – The Australian Study of Child Health in Same-Sex Families). Es wurden 500 Kinder in Regenbogenfamilien hinsichtlich ihrer emotionalen Stabilität, ihres Selbstbewusstsein sowie des familiären Zusammenhalts untersucht. Hinsichtlich des allgemeinen Gesundheitszustandes sowie des familiären Zusammenhalts schneiden diese Kinder sogar besser ab, wenn sie mit Kindern aus anderen Familien verglichen werden, hinsichtlich all der anderen Gesundheitsparameter ergeben sich keine signifikanten Unterschiede (die Studie wird derzeit noch ausgewertet, Ergebnisse lassen sich laufend unter http://mccaugheycentre.unimelb.edu.au/research/current/intergenerational_health/achess abrufen)

Eine der ersten Studien in diesem Bereich findet seit den 1980er Jahren in Nordamerika statt, es wurden lesbische Mütter mit Kindern, die mit Hilfe von Spendersamen gezeugt wurden, begleitet. Die bisherigen Ergebnisse finden sich auf http://www.nllfs.org. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass keine negativen Auswirkungen nachweisbar sind, es lassen sich keine Unterschiede zu anderen Familien feststellen. Zahlreiche Publikationen aus dieser breit angelegten longitudinalen Studie finden sich auf http://www.nllfs.org/publications.

Jetzt könnte natürlich der Hausverstand von Frau Kitzmüller und anderen „ExpertInnen“ in Österreich argumentieren, dass das amerikanische und australische Studien sind, die ja nicht übertragbar auf den deutschen Sprach- und Kulturraum sind. Auch hier helfe ich gerne mit wissenschaftlichen Fakten aus.

In Deutschland wird von mindestens 5.000 Regenbogenfamilien mit etwa 6.600 Kindern ausgegangen (Stand von 2013), in einer Studie in Bayern wurden 119 Kinder befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass es hinsichtlich der psychischen Anpassung von Kindern und Jugendlichen keine Unterschiede zu anderen Familien gibt. Die einzigen signifikanten Unterschiede fanden sich dahingehend, dass Kinder und Jugendliche in Regenbogenfamilien über ein höheres Selbstwertgefühl und über mehr Autonomie in der Beziehung zu beiden Elternteilen berichteten als Gleichaltrige in anderen Familienformen.

Das Erziehungsverhalten gleichgeschlechtlicher Elternpaare zeichnet sich durch Fürsorglichkeit und Zugewandtheit aus. Die Mehrheit der Kinder konnte über keine soziale Diskriminierung berichten, es gibt keine Unterschiede hinsichtlich Depressivität, somatische Beschwerden oder Aggressivität.

Aus Expertensicht wird daher die Aufhebung bestehender Diskriminierung gefordert. Die Studie sowie eine Zusammenfassung findet sich unter http://www.bmj.de/SharedDocs/Downloads/DE/pdfs/Forschungsbericht_Die_Lebenssituation_von_Kindern_in_gleichgeschlechtlichen_Lebenspartnerschaften.pdf?__blob=publicationFile.

Zusammenfassung

Es gibt Presseaussendungen diverser Einrichtungen und Parteien, und so genannte „Experteninterviews“ in einzelnen Medien, die gerne das „Kindeswohl“ in Zusammenhang mit der Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare erwähnen. Klinische PsychologInnen, GesundheitspsychologInnen und PsychotherapeutInnen sind gesetzlich dazu verpflichtet, nach aktuellen Erkenntnissen der Wissenschaft zu arbeiten. Daher soll an dieser Stelle ausdrücklich betont werden, dass es keinerlei Evidenz (Beweis) dafür gibt, dass eine Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare dem Kindeswohl abträglich ist, ganz im Gegenteil.

Das Fazit lautet daher, dass es aus wissenschaftlicher (und damit sachlicher) Perspektive keinerlei Einwände gegen die Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare gibt. Ich begrüße daher aus wissenschaftlich-psychologischer Perspektive eindeutig die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs.

Ich stehe selbstverständlich gerne zur Verfügung, um mit wissenschaftlichen Fakten nach- und auszuhelfen.

 

Über den Autor: Mag. Dr. Mario Lehenbauer-Baum ist Klinischer Psychologe, Gesundheitspsychologe, zertifizierter Arbeits-, Wirtschafts- und Organisationspsychologe, Autor und Herausgeber zahlreicher Artikel und Buchkapitel. Er ist in der universitären Forschung (Department für Psychologie an der Sigmund-Freud Universität Wien, sowie am Department of Psychology and Human Development, Peabody College, Vanderbilt University, Nashville, Tennessee/USA) tätig. Weiters ist er auch erster Beauftragter für Diversity für den Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen. Seine Forschungsschwerpunkte fokussieren auf klinische Entwicklungspsychologie (Prävention von Depression im Kindes- und Jugendalter), die Schnittstelle Psychologie und neue Medien (Online-Rollenspiele, Internetsucht, Internetgebrauch in der Praxis), virtuelle Realitäten sowie Games for Health (digitale Spiele und psychologische Interventionen). In seiner Onlineberatungspraxis fokussiert er vor allem auf positive Psychologie, um Menschen zu einem glücklicheren und erfüllteren Leben zu verhelfen, sowie auf wissenschaftlich fundierte kognitiv-lerntheoretisch/verhaltenstherapeutische Methoden.

 

ANMERKUNG UND NACHTRAG vom 18.01.2015:

Grundsätzlich ist die Kommentarfunktion auf meiner Blogseite (aufgrund massiver Spam-wellen und aufgrund der Tatsache, dass ich keine zeitlichen Ressourcen habe, um einzelne Blogbeiträge zu überprüfen und freizugeben) abgeschaltet. Es erreichte mich jedoch ein längerer Kommentar von „Franz“, den ich gerne veröffentlichen und auch richtigstellen möchte. Der Originalbeitrag von „Franz“ ist in kursiv, meine Antwort in Normalschrift gehalten. Grundsätzlich möchte ich mich jedoch über diesen sehr ausführlichen Beitrag von „Franz“ bedanken!

Sehr geehrter Herr Dr. Lehenbauer-Baum!
Ich bin mehr oder weniger durch Zufall auf diesen Aufsatz von Ihnen gestossen. Als ehemaliger Lehrer interessiere ich mich für das Wohl der Kinder in unserem Land, und die Diskussion über das Adoptionsrecht hat meine Aufmerksamkeit angezogen. Ich bin kein Psychologe, aber ich denke ich besitze ein Mindestmaß an logischem Denkvermögen und kenne die wichtigsten Grundsätze der wissenschaftlichen Methodik.

Ich denke mir dass die Grundsätze der wissenschaftlichen Methodik über „logischem Denkvermögen“ hinausgehen.

Klareweise sollten Soziologisch-psychologische Studien, wie alle wissenschaftliche Arbeiten, gewisse Mindeststandards erfüllen. Ich kann verstehen, dass aus Kostengründen und manchmal aus praktischen Gründen gewisse Kompromisse hinsichtlich Design und Methodik in Kauf genommen werden, da manche Studien sonst gar nicht zustande kommen würden.

Das halte ich für eine stark verzerrende Darstellung, da alle Studien nach Regeln der guten Wissenschaft durchgeführt werden müssen, unabhängig vom jeweiligen Budget.

Aber, wenn solche Studien in einem wissenschaftlichen Diskurs zitiert werden, sollten offensichtliche Schwächen der zitierten Studien nicht verschwiegen werden. Ich habe mir die Mühe gemacht die vom deutschen BJM in Auftrag gegebene Studie “Die Lebenssituation von Kindern in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften” , die Sie erwähnen, gründlich durchzulesen. Sie wurde an einem universitären Institut konzipiert, und daher erwartete ich die Einhaltung höchster wissenschaftlicher Maßstäbe, stichhaltige Argumentation und Präzision in den Schlussfolgerungen. Ich kann beim besten Willen nicht erklären warum, aber bei dieser Studie wurden eine Reihe von Kompromissen in Kauf genommen, die so offensichtlich sind, dass auch ich als Nicht-Psychologe sie nicht übersehen konnte. 

Ich diskutiere gerne mit Ihnen über die vermeintlichen Schwächen der Studie!

Das Studienergebnis stützt sich auf: Selbstbeurteilungen der Eltern über die eigenen erzieherischen Qualitäten; Einschätzungen einiger Fachpersonen zum Thema; und eine psychologische Teilstudie. Ich denke es ist selbstredend, dass die psychologische Teilstudie den wichtigsten Beitrag zur Sachlichkeit und Wissenschaftlichkeit der Studie beiträgt, weil einerseits naturgemäß nicht erwartet werden darf, dass Eltern unvoreingenommen ihre eigenen Kompetenzen einschätzen, und andererseits, weil man nicht lange recherchieren muss, um festzustellen, dass bei diesem Thema Fachpersonen eine grosse Bandbreite an verschiedenen Ansichten vertreten.

Was mir auffiel:

Die Studienteilnehmer wurden angeworben nach dem Prinzip “Selbstselektion” ( http://de.m.wikipedia.org/wiki/Selbstselektion ).

Die Teilnehmer wurden angeworben nach dem Prinzip der Freiwilligkeit. Das was sie meinen, ist ein natürlicher Effekt, wenn man mit dem Prinzip der Freiwilligkeit arbeitet. Es fand eine telefonische Befragung statt zu den Bereichen „Bindung und Beziehung zu den Eltern“, „psychischen Anpassung und Befindlichkeit“, „Konflikten in der Familie und Diskriminierungserfahrungen“ usw. statt, und keine umfassende klinisch-psychologische Diagnostik oder Persönlichkeitsanalyse (was auch nicht Anspruch der Studie war). Dennoch kann davon ausgegangen werden, dass Effekte festgestellt werden können, die replizierbar sind (eines der Grundkriterien der Wissenschaft).

Die psychologische Teilstudie wurde telefonisch abgewickelt. Marktanalysen kann man telefonisch abwickeln, aber ist es auch sinnvoll einen psychologischen Test, mit teils minderjährigen Kindern (ab 10-Jährig), am Telefon durchzuführen? Ich weis aus meiner Erfahrung mit Kindern, dass man am besten einen persönlichen Rapport mit ihnen herstellt, will man einerseits die Konzentrationsfähigkeit und andererseits die Glaubwürdigkeit von Antworten auf Fragen die ihren persönlichen emotionellen Bereich betreffen einschätzen. Da die Kinder bei ihren gleichgeschlechtlichen Eltern wohnhaft waren, ist anzunehmen, dass sie auch dort angerufen wurden. Ob die Eltern zum Zeitpunkt der Anrufe anwesend waren wird in der Studie nicht erwähnt, aber ich denke, dass es unwahrscheinlich ist, dass die Kinder – insbesondere die minderjährigen – angerufen wurden in Abwesenheit der Eltern. Es ist zu bedenken, dass die direkte Anwesenheit von Eltern einen Einfluss auf die Gedankengänge und die Offenheit von Kindern ausüben kann, insbesondere dann, wenn die Eltern-Kind Beziehung belastet ist.Ich kann mir nicht vorstellen, dass es möglich ist eine zuverlässige, umfassende Persönlichkeitsanalyse von Kindern auf dieser Art und Weise telefonisch durchzuführen. Was sagen Sie als Psychologe dazu? Die Studie war keine Langzeitstudie. Ich denke, dass der Aussagewert der Studie aus diesem Grund eingeschränkt ist. Unter anderem, weil manche Persönlichkeitsprobleme erst dann manifest werden, wenn ein junger Mensch den Schritt aus der elterlichen Abhängigkeit in die Selbstständigkeit macht.

Das sind in gewisser Art und Weise „Hier-beisst-sich-die-Katze-in-den-Schwanz“-Aussagen. Einerseits war die Adoption bisher nicht erlaubt, andererseits möchte man bereits Ergebnisse aus Langzeitstudien haben. Die Studie erhebt überhaupt nicht den Anspruch, langfristige Effekte festzustellen, sondern es wurde der Status-Quo erhoben. Wie in der deutschen Studie festgestellt, gibt es keine Unterschiede hinsichtlich der Entwicklungsaufgaben von Kindern, die in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften aufwachsen zu jenen, die in gegengeschlechtlichen Partnerschaften oder bei alleinerziehenden Elternteilen aufwachsen. Was sie allerdings verschweigen, ist, dass es bereits fundierte Ergebnisse aus Langzeitstudien gibt! Hier verweise ich auf folgende Longitudinal-Studie https://www.nllfs.org .

Ich finde also eine Studie vor deren Ergebnis z.T. auf subjektiven Einschätzungen der teilnehmenden Eltern beruht, z.T. auf Aussagen von von der Studienleiterin ausgesuchten Fachpersonen beruht, und z.T. auf eine psychologische Teilstudie beruht, deren Durchführungsmethode, nach meiner Einschätzung, nicht geeignet ist ein zuverlässiges aussagekräftiges Ergebnis zu liefern.

Sie sind herzlich dazu eingeladen, bessere Studien zu konzipieren! Die Wissenschaft ist frei, und alle Studien, die nach Regeln der guten Wissenschaft konzipiert wurden, können und sollten auch peer reviews stand halten. Die Ergebnisse der deutschen Studie wurden ja veröffentlicht. Bei aller Kritik von ihrer Seite unterstelle ich jedoch den Studienleiterinnen sowie dem Herausgeber „Deutsches Bundesministerium für Justiz“ genügend Kenntnisse, Studien auch nach Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis durchzuführen. Subjektive Einschätzungen (so genannte Selbstbeurteilungen) sind sehr wohl dazu geeignet, um sich einen Einblick zu verschaffen.

Etwas was ich nicht nachvollziehen kann, ist warum diese Studie im Zusammenhang mit der Diskussion über die gemeinsame Adoption Relevant sein soll. Anhand der auf Seiten 304 / 305 gemachten Angaben, kann darauf geschlossen werden, dass nur eine sehr kleine Anzahl der Kinder die im Rahmen der psychologischen Teilstudie untersucht wurden mit zwei homosexuellen Männern zusammen lebten. Viel zuwenig für eine repräsentative Relevanz. Weiters ist mir ins Auge gesprungen, dass ca. 2/3 der untersuchten Kinder regelmässig Kontakt mit dem getrennt lebenden Elternteil pflegten, und ca. 3/4 lebten während eines Teils ihres Lebens in Lebensgemeinschaft mit beiden leiblichen Eltern, wurden also während dieser Zeit von verschiedengeschlechtlichen Eltern geprägt. Ein Hauptkritikpunkt der Gegener der gemeinsamen Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare, ist dass sie Lebensituationen mit gänzlich fehlender Vaterbeziehung oder gänzlich fehlender Mutterbeziehung herbeiführen würde. Ein intensives, intimes Erleben mit primären Bezugspersonen beider Geschlechter, soll deren Meinung nach wichtig für die Kindesentwicklung sein. Genau dieser Punkt kann die Studie nicht entkräften, weil die grosse Mehrheit der im Rahmen der psychologischen Teilstudie untersuchten Kinder sehr wohl über eine Mutter und über einen Vater verfügten – während eines Teils ihres Lebens sogar in Lebensgemeinschaft. Zusammendfassend ist mir nicht ersichtlich wie die Zitierung dieser Studie zur Versachlichung der Debatte beitragen könnte. Es ist evident, dass sie in Bezug auf die Beziehungskonstellation, die als Folge der gemeinsamen Adoption eines Neugeborenen oder eines Kleinstkindes durch zwei Männer entsteht, keinen Aussagewert besitzt wegen der zu kleinen Stichprobe. Aber auch sonst: Der Fokus dieser Studie richtete sich auch nicht auf Kinder, die die Vaterbeziehung gänzlich entbehren müssen. Letztlich ist – zumindest für mich – nicht erkennbar, dass Design und Methodik der Studie hohen Qualitätsmaßstäben entsprechen.

Ich helfe Ihnen gerne aus nachzuvollziehen, warum die Studie dazu geeignet ist, Einblicke zu gewinnen. Viele Gegner argumentieren, dass ein Kind Vater UND Mutter benötigt und deswegen Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare nicht funktionieren kann. Dann kommt in dieser Studie heraus, dass ein Gutteil der Kinder auch mit den biologischen Elternteilen sehr wohl guten Kontakt hält, und das wird wiederum als Nachteil der Studie gesehen. Die Kernaussage der deutschen Studie ist „Unabhängig von der Familienform wirken sehr ähnliche Einflussfaktoren. Entscheidend für die Entwicklung der Kinder ist nicht die Struktur der Familie, sondern die Qualität der innerfamiliären  Beziehungen. Für die betrachteten Entwicklungsdimensionen von Kindern und Jugendlichen erwies es sich somit als nicht bedeutsam, ob sie bei einem allein erziehenden Elternteil, zwei Müttern oder Vätern oder bei Vater und Mutter aufwachsen, sondern wie die Beziehungsqualität in diesen Familien ist“. Die Stichprobengröße entspricht auch der anderer Studien in anderen Bereichen, und je nach Stichprobengröße werden in der Psychologie Testverfahren angewandt, die Ergebnisse entsprechend der Größe der Stichprobe bereinigen. Ist die Stichprobe zu klein, hätte die Studie auch keine Ergebnisse zu publizieren gehabt. Für mich nicht ganz nachvollziehbar ist weiters, warum sie die Vielzahl anderer Studien in diesem Bereich, die mit weit größeren Stichprobengrößen speziell im amerikanischen Raum arbeiten, nicht beachten.

Psychologie ist wichtig, aber Kinder dürfen nicht auf Subjekte rein psychologischer Betrachtung reduziert werden. Ich denke, dass man einerseits sich eingestehen muss, dass mit der Testpsychologie gewiss nicht alles was für die Kindesentwicklung massgeblich ist beleuchtet werden kann – soweit ist die Psychologie noch nicht. Anderseits darf man nicht den Fehler machen die Haltung einzunehmen, dass die Rechtfertigung einem Kind ein Aspekt des Lebens vorzuenthalten (im gegenständlichen Bezug: die Vaterbeziehung oder die Mutterbeziehung) nicht automatisch deswegen vorliegt, weil Psychologen angeblich keinen messbaren psychologischen Schaden auf die Entbehrung zurückführen können.

Ich kann leider ihre Kritik nicht ganz teilen. Die Psychologie ist sehr wohl in der Lage, bestimmte Störfaktoren der Kindesentwicklung sicht- und messbar zu machen. Nun gibt es Gegner der Adoption, die argumentieren „Es fehlen Studien!“. Dann gibt es Studien, dann kommt das Argument „Aber man kann ja nicht alles mit der Psychologie messen!“. Ich verstehe, dass man es nicht alle Menschen recht machen kann, aber auch hier schadet es nicht, eine neutral-objektive Haltung einzunehmen. Ich bin Klinischer Psychologe und Wissenschaftler. Studien bestätigen, dass eine Adoption durch gleichgeschlechtlich empfindende Menschen nicht kontraproduktiv für die Entwicklung von Kindern ist. Würde es Faktoren geben, die kontraproduktiv sind, dann hätte man das schon längst herausgefunden.

Wir Erwachsene würden eine analoge Haltung uns gegenüber ja auch nicht hinnehmen. Dazu eine Analogie: Es gibt Menschen die aus geographischen Gründen noch nie das Meer gesehen haben. Wegen dieses Umstandes liegt bei ihnen gewiß kein psychologischer Schaden vor. Trotzdem wäre es äusserst lebensbereichernd für sie, hätten sie die Möglichkeit das Meer direkt zu erleben. Es wäre unmenschlich würde ihre Regierung anordnen, dass sie diese wunderbare Erfahrung gar nicht machen dürfen, denn Menschen besitzen ein naturgegebenes Vermögen das Meer als ein wunderbares, einzigartiges Naturerlebnis und als eine einzigartige Bereicherung der persönlichen Erlebniswelt zu erfahren. Sowohl die einzigartige Mutterbeziehung, als auch die einzigartige Vaterbeziehung sind aber selbstverständlich unendlich bedeutsamer und wunderbarer als das Erleben des Meeres. Sie werden von Kindern als jeweils einzigartige, wunderbare Aspekte ihrer Erlebniswelt erlebt. Löst man sich von der irrigen, herabwürdigenden Idee, dass man Kindern ohne Weiteres ein Aspekt des Lebens vorenthalten kann, wenn Psychologen sagen, dass sie keinen messbaren psychologischen Schaden auf die Entbehrung zurückzuführen können, stellt sich – in Anbetracht der Tatsache, dass 10 mal mehr als ausreichend adoptsionswillige Ehepaare zur Verfügung stehen – die Frage inwieweit wir es rechtfertigen können unschuldigen Kindern, die zur gemeinsamen Adoption freigegeben sind, entweder die einzigartige Vaterbeziehung oder die einzigartige Mutterbeziehung vorsätzlich und unwiderruflch vorzuenthalten.

Sie haben recht! Jede Beziehung ist einzigartig. Jede elterliche Beziehung, egal zu welchem Geschlecht, ist einzigartig aufgrund der Beziehungsqualität. Für eine Beziehungsqualität ist es allerdings unerheblich, welches Geschlecht die Eltern haben. Und es geht hier nicht nur um adoptionswillige Ehepaare, sondern auch um Ehepaare, die Kinder des anderen Elternteil adoptieren, weil sie bereits in einer Familie leben. Eine Bevölkerungsgruppe (“ es gibt bereits ausreichend adoptionswillige Ehepaare“) gegen die andere (gleichgeschlechtliche Ehepaare) auszuspielen, ist allerdings nicht fair. Liebe und Geborgenheit kennen kein Geschlecht!

Sämtliche Studien weisen darauf hin, dass es keinen Nachteil für das viel zitierte „Kindeswohl“ gibt. Es spielt also für ein Kind keine Rolle, ob es bei einem allein erziehenden Elternteil, zwei Müttern oder Vätern oder bei Vater und Mutter aufwächst, sondern es kommt auf die Beziehungsqualität in diesen Familien an.

Mein Neujahrsvorsatz – authentisch sein!

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Authentizität oder Echtheit ist etwas, mit dem viele Menschen Probleme haben. Mir begegnen immer wieder Personen, bei denen ich das Gefühl habe, dass sie „nicht echt“ sind, also bewusst oder unbewusst Anteile ihrer „wahren“ Persönlichkeit verstecken (müssen). Für mich ist das nachvollziehbar, da wir alle Anteile in uns haben, die wir verstecken oder vor anderen nicht preisgeben wollen. Allerdings kann man kein erfülltes und glückliches Leben führen, solange man etwas versteckt oder sich für Anteile der eigenen Persönlichkeit schämt.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass manche Lebensumstände es ermöglichen oder sogar erfordern, dass man seine Persönlichkeit nicht preisgeben oder ausleben kann. Viele Menschen sind gefangen in unglücklichen Beziehungen, Familiensituationen oder auch Arbeitsumständen und haben Angst, etwas zu verändern.

Für mich selbst startete vor etwa vier Jahren eine unglaubliche Reise. Ich war schon immer fasziniert vom Motto „Um das Äußere zu verändern, beginne mit dem Inneren“, wusste aber nicht so ganz, was es bedeutet. Es änderten sich jedoch manche Dinge schlagartig, andere nach und nach, und alles begann mit einem Neujahrsvorsatz: Sei authentisch.

Mein heutiger Blogbeitrag soll daher etwas Bewusstsein für Authentizität schaffen und die Angst davor nehmen, denn langfristig kann es nur gut sein, authentisch zu sein.

Was ist Authentizität?

Authentizität oder Echtheit bedeutet schlicht, dass wir uns so zeigen wie wir sind, uns also nicht für andere Personen verstellen (müssen) oder vorgeben, jemand anderes zu sein. Das bedeutet allerdings auch, dass wir uns selbst und unsere Bedürfnisse sehr gut kennen, unsere Reaktionen abschätzen können, und auch bewusst zu unseren Emotionen und Reaktionen stehen können.

Warum wir nicht so sind wie wir eigentlich wirklich sind

Als Kinder oder Jugendliche waren wir eine Persönlichkeit. Klar, wir hatten unsere kleineren oder größeren „Fehler“ in unserem Verhalten, aber wir hatten auch unsere jeweiligen Qualitäten – das definiert uns als Menschen mit unseren Stärken und Schwächen.

Je älter wir wurden, desto mehr wurden wir von unserer sozialen Umgebung beeinflusst, seien es Eltern, Freunde oder auch ArbeitskollegInnen. Wir haben gelernt so zu sein, wie andere es gerne hätten. In der Schule haben wir gelernt, ruhig zu sein, weil es so erwartet wird. In der Arbeit haben wir gelernt, dieses oder jenes Verhalten zu zeigen, weil es so erwartet wird. Wir haben gelernt, höflich zu KundInnen zu sein, auch wenn wir innerlich brodeln. Das ist wichtig, und das ist auch gut so – das stellt einen wichtigen Bereich der so genannten Emotionsregulation dar.

Erwartungen verschiedener anderer Bezugspersonen haben unser Verhalten flexibel beeinflusst, und das war auch gut so. Wenn wir an alte Stämme denken, an unsere Urahnen, die noch in Verbänden und Sippen lebten, so war es wichtig, mit möglichst vielen Personen gut zu sein. Je beliebter jemand war, desto eher wurde einem auch geholfen, jede einzelne Person war damit potentiell wichtig für unser eigenes Überleben.

Allerdings kann es im Verlauf des Erwachsen werden und darüber hinaus passieren, dass wir in Familien- oder Beziehungssituationen „gefangen“ sind und nicht mehr auf eigene Bedürfnisse achten. Wir leben dann nicht mehr authentisch. Werden die eigene Persönlichkeit und die eigenen Bedürfnisse zu sehr für andere hintangestellt, verletzt man nur sich selbst.

Sobald man allerdings lernt, wer man ist, und die eigenen Bedürfnisse kennen und achten lernt, beginnt man, authentisch zu leben! In meiner Praxis erlebe ich immer wieder, dass dadurch wundervolle Transformationsprozesse gestartet werden.

Man „zieht“ die „richtigen“ Personen an

Wenn man nicht authentisch ist, und seine Bedürfnisse und Persönlichkeit nicht klar zum Ausdruck bringt, ist man auch umgeben von Personen, die diese „falschen“ Persönlichkeitsanteile fördern und bestärken. Eigentlich logisch – wenn man eigene Bedürfnisse zugunsten eines Partners oder Partnerin zurück steckt, und nicht authentisch eine andere Persönlichkeit aufbaut und zeigt, ist man auch gefangen in unglücklichen Umständen und umgeben von negativen Gedanken. Es ist ziemlich ermüdend und erschöpfend, die eigene Persönlichkeit tagtäglich zu verstellen und eigene Bedürfnisse zu ignorieren. Viele Menschen haben Angst, davor, alles zu verlieren, wenn sie beginnen, so zu sein wie sie eigentlich sein wollen, sie sind gefangen in einer Komfort-Zone. Meine Frage an sie lautet allerdings – WAS verlieren sie? Haben sie wirklich Angst davor etwas zu verlieren das sie im Grunde eigentlich unglücklich macht?

Sobald man die eigene wahre Persönlichkeit zeigt und auch die eigenen Bedürfnisse klar und sachlich formuliert, sich auch nicht davor scheut, vor anderen Personen zu den eigenen Schwächen zu stehen, zieht man gewisse Menschen, Freunde und LebenspartnerInnen an. Man verliert falsche Freunde, man verliert eventuell auch den vermeintlichen Lebenspartner, aber man beginnt, sich mit anderen Menschen im Leben anzuziehen. Mit etwas Glück findet man dann auch den einen oder die eine PartnerIn, die einen so akzeptiert wie man ist – man zeigt ja seine wahre Persönlichkeit, steht zu den eigenen Bedürfnissen, und hat auch keine Angst davor, die eigenen Schwächen zu zeigen, kurz gesagt – man ist authentisch.

Man findet seine Gruppe

Ich hatte vor vier Jahren noch völlig andere Freunde. Sobald ich begonnen habe, verstärkt authentisch zu sein, merkte ich Widerstand bei anderen Personen. Sie waren es gewohnt, mit jemandem zu tun zu haben, der ständig „Ja“ sagt. Selbstverständlich war es unangenehm, wenn ich auf einmal meine eigenen Bedürfnisse kundgab, und manche Dinge nicht mehr akzeptierte.

Freundschaften veränderten sich, wurden weniger, hörten völlig auf. Dafür passierte etwas anderes wunderschönes, es ergaben sich andere stabile Freundschaften, die bis heute andauern. Auch in meiner Beratungsarbeit bemerke ich immer wieder einen sagenhaften Transformationsprozess – sobald Menschen beginnen, mit meiner Hilfe ihre wahren Bedürfnisse zu entdecken, zu akzeptieren und auch zu kommunizieren, verändert sich fast immer der Kreis der Personen, mit denen sie Kontakt haben. Nach und nach findet sich jeweils immer eine Gruppe, die einen so akzeptiert wie man ist, und man hat auch das Gefühl authentisch mit all den Stärken und Schwächen so akzeptiert zu werden wie man ist.

Man ist gesünder

Anteile der eigenen Persönlichkeit zu verstecken, und nicht auf die eigenen Bedürfnisse zu achten, ist extrem ermüdend und erschöpfend. Es braucht extrem viel Energie, und die ständigen kleinen Enttäuschungen im Alltag, wenn eigene Bedürfnisse ignoriert werden, rauben Lebenskraft. Ich hatte KlientInnen, die objektiv gesehen gesund lebten. Sie hatten ausreichend Schlaf, ernährten sich gesund, betrieben viel Sport, waren aber dennoch ständig krank. Das Immunsystem war offenbar von etwas ganz anderem angeschlagen. Das Bewusstsein, dass ein nicht authentisches Leben potentiell gesundheitsbedrohend sein kann, ist für viele gerade zu Beginn nicht nachvollziehbar.

Sobald man aber beginnt, authentisch zu leben, bemerken viele auch eine Verbesserung ihrer Gesundheit. Man interessiert sich verstärkt für positive Dinge, positive Menschen sowie positive Lebensumstände, man macht das was einem gut tut und hört auf die eigenen Bedürfnisse. Mit den richtigen Menschen zusammen zu sein führt zu einem erhöhten Ausstoß an Endorphinen, man fühlt sich glücklicher und zufriedener. Das führt auch dazu, dass andere prinzipiell glückliche Menschen gerne mit einem zusammen sind – über die Zeit hinweg führt ein authentisches Leben also zu einem enormen Zuwachs an positiver Energie!

Zusammenfassung

Viele Menschen leben nicht authentisch, sei es durch äußere Lebensumstände bedingt, oder auch durch eigene Ängste. Das führt dazu, dass man nicht auf die eigenen Bedürfnisse hört, sich selbst verstellt, und viel Energie darin investiert, eigene Persönlichkeitsanteile vor anderen zu verbergen. Das ist extrem ermüdend und erschöpfend, und kann bei manchen auch zu einem geschwächten Immunsystem führen. Sobald man allerdings beginnt, die eigenen Bedürfnisse kennenzulernen, diese zu achten und auch für diese einzutreten, also authentisch seine Persönlichkeit so zu zeigen wie sie ist, beginnt ein unglaublicher Transformationsprozess. Über die Zeit hinweg zieht man andere Personen sowie andere Lebensumstände an, die förderlich für einen sein können. Man findet Menschen, die einen so akzeptieren wie man ist, mit all den Stärken und Schwächen. Man fühlt wahres Glück, so wie es jeder verdient!

Authentizität kann also eine Reise in einem Leben auslösen das zu Glück führen kann. Ich stehe gerne für Beratungsgespräche zur Verfügung, wenn sie mehr Authentizität und Echtheit in ihrem Leben integrieren wollen. Alles Gute für Ihre Reise!

Über mich: Ich bin Klinischer Psychologe und Gesundheitspsychologe sowie zertifizierter Arbeits-, Wirtschafts- und Organisationspsychologe, Vater von zwei Teenagern und Ehemann „from the best human being“. Ich arbeite seit 2008 in freier Praxis als Berater und Psychologe, um Menschen mit wissenschaftlich fundierten Methoden zu einem erfüllteren und glücklicheren Leben zu verhelfen. Weiters arbeite ich im wissenschaftlichen Bereich, bin Postdoctoral Research Fellow an der Sigmund Freud Privatuniversität in Wien als auch an der Vanderbilt Universität in Nashville, Tennessee/USA mit den Forschungsschwerpunkten Psychologie und neue Medien sowie Prävention von Depression und Angststörungen. Ich bin Autor zahlreicher Artikel, Buchkapitel sowie Sprecher auf Konferenzen und Kongressen.

 

Von der schwulen Sau und der Kampflesbe

Originalbeitrag vom 22.11.2014 – siehe auch Ergänzung und Folgeeinträge am Ende des Blogbeitrags!

Grundsätzlich beschäftigt sich dieser Blog mit eher psychologischen Inhalten. Als Beauftragter für Diversity des Berufsverbands Österreichischer Psychologinnen und Psychologen sehe ich allerdings auch eine gewisse Verantwortlichkeit für gewisse gesellschaftspolitische Inhalte.

Parteipolitische Verwendung von diskriminierenden Begriffen

So kam mir im Verlauf der vergangenen Woche auf Facebook ein Sujet unter. Darauf wirbt die NEOS (Das Neue Österreich) für die Bildung einer LGBTQI-Gruppe. Zwar kann man die Bildung eigener parteipolitischer Gruppen, die sich für die Rechte von Minderheiten einsetzen, grundsätzlich nur begrüßen. Allerdings wird mit folgenden Worten geworben:

„Wenn du eine schwule Sau, Kampflesbe, Transenwesen oder sonst etwas bist, bist du hier richtig.“

Diese Werbung stößt mir aus mehreren Gründen sauer auf. Zum einen werden Wörter verwendet, die vor allem im Jugendalter als Schimpfwörter dienen. Es wird damit die Verwendung von Schimpfwörtern legitimiert. Wenn schon Schwule und Lesben sich selbst als schwule Sau und Kampflesbe bezeichnen, warum sollten dann das nicht auch andere “dürfen”. Zum anderen wird dadurch zum Ausdruck gebracht, dass gleichgeschlechtlich l(i)ebende Menschen nun mal schwule Säue und Kampflesben sind. Transwesen sind offenbar weder Männer noch Frauen, sie sind „Wesen“. Etwas anderes („wenn du sonst etwas bist“) gibt es offenbar nicht.

Schmerzhafte Erinnerungen für viele Menschen

In meiner Coming-Out Beratung für Männer und Frauen erlebe ich oft, dass KlientInnen Situationen schildern, dass sie als “schwule Sau” oder als „Kampflesbe“ beschimpft wurden. Was ist eine Kampflesbe? Ist eine Lesbe automatisch eine Kämpferin, wenn sie sich gegen männerdominierte Diskriminierung zur Wehr setzt? Sind es die stereotypischen Lesben mit kurzgeschorenen Haaren und Holzfällerhemden? Was ist mit Frauen, die nicht in dieses Bild passen, sollen sich diese ebenfalls von einem derartigen Sujet angesprochen fühlen? In diese Kategorie von Schimpfwörtern passen weitere Begriffe wie „Warmer“, „Schwuchtel“ oder viele andere. Diese Ausdrücke  sind mit einem extremen Ausmaß an Hass behaftet und sollen andere verletzen und herabwürdigen. Eine Erinnerung an derartige Situationen ist meist mit Gefühlen von intensiver Verletzung und Demütigung verbunden, man erlebt sich als Mensch zweiter Klasse. Und niemand möchte sich freiwillig als Mensch zweiter Klasse fühlen.

Fazit

Das nächste Mal, wenn jemand zwei Männer Hand in Hand gehen sieht, kann man diese dann als „Schwule Sau“ bezeichnen – immerhin machen es die Neos ja auch offiziell? Es ist mir bewusst, dass mit diesem Sujet “augenzwinkernd” geworben werden wollte, nur wurde hier eindeutig eine Grenze überschritten. Aus psychologischer Sicht kann ich eine Verwendung derartiger Wörter und damit auch eine einhergehende offizielle Legitimierung nicht nachvollziehen. Was ist mit Jugendlichen, die sich in einem schmerzhaften Prozess des Coming-Out befinden? Ist es zielführend, dass Parteien mit „Schwule Sau“ und „Transwesen“ werben, wenn man sich eventuell selbst gerade mit der eigenen sexuellen Identität beschäftigt? Damit wird vor allem auch die jahrelange Arbeit von Vereinen wie den HOSIs (Homosexuellen Initiativen) zunichte gemacht, die eben gegen die Verwendung dieser Bezeichnungen auftreten und auch diesbezüglich sensibilisieren.

Die Verwendung von Begriffen wie „Schwule Sau“, „Kampflesbe“ oder „Transwesen“ ist  – ob augenzwinkernd gemeint oder nicht – verbale Gewalt. Es ist eine Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung, und damit nicht in Ordnung – auch nicht, wenn es von Schwulen und Lesben selbst verwendet wird. Ich finde ich dieses Sujet eine eindeutige Grenzüberschreitung und definitiv nicht zielführend für Anliegen der LGBTQI-Gruppen. Ein derartiges Thema verdient mehr Sensibilität, vor allem von Seiten offiziell im Parlament vertretener Parteien wie den NEOS.

Nachtrag vom 23.11.2014

Mittlerweile hat sich eine rege Diskussion über Twitter und Facebook ergeben, sowohl mit anderen „Betroffenen“ als auch den Neos selbst. Ich kann durchaus nachvollziehen, dass bewusst provoziert werden wollte, um mehr Menschen zum Besuch dieser Veranstaltung zu bewegen. Es wurde auch erwähnt, dass geplant ist, diese Provokation bei der Veranstaltung selbst „aufzulösen“, was positiv zu werten ist (allerdings schade für diejenigen, die die Veranstaltung nicht besuchen). An dieser Stelle soll auch grundsätzlich festgehalten werden, dass jede Organisation, die neu gebildet wird, und der Durchsetzung von Minderheitenrechten dient, zu begrüßen ist. Mein persönliches Anliegen ist es jedoch, dass bei der Wahl der Mittel höchst sensibel vorgegangen werden sollte. Es gibt so viele Menschen in Österreich, die mit verletzenden Begriffe und Schimpfwörtern aufwachsen mussten, eine Auflösung derartig polarisierender und diskriminierender Begriffe ist nur wünschenswert. Mit dem Blog ging es mir nicht darum, die neue LGBTQI-Gruppe der Neos anzugreifen. Ganz im Gegenteil – ich wünsche alles Gute, um vorhandene starre und verkrustete Strukturen aufzubrechen. Je mehr Menschen sich für diese Anliegen einsetzen, desto mehr Chancen auf eine wahre Gleichberechtigung in Österreich gibt es! Parteipolitisch motivierte Provokation (egal von welcher Partei) ist jedoch fehl am Platz, es sollte behutsam und äußerst sensibel mit dieser Thematik umgegangen werden.

Über den Autor: Mag. Dr. Mario Lehenbauer-Baum ist Klinischer Psychologe, Gesundheitspsychologe, zertifizierter Arbeits-, Wirtschafts- und Organisationspsychologe, Autor und Herausgeber zahlreicher Artikel und Buchkapitel, Motivationscoach und professioneller Sprecher auf Konferenzen, sowie in der universitären Forschung (Sigmund Freud Universität in Wien sowie Vanderbilt University in Nashville, Tennessee, USA) tätig. Weiters ist er auch erster Beauftragter für Diversity für den Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen. Seine Forschungsschwerpunkte fokussieren auf die Schnittstelle Psychologie und neue Medien (Online-Rollenspiele, Internetsucht, Internetgebrauch in der Praxis), virtuelle Realitäten sowie Games for Health (digitale Spiele und psychologische Interventionen). In seiner Onlineberatungspraxis fokussiert er vor allem auf positive Psychologie, um Menschen zu einem glücklicheren und erfüllteren Leben zu verhelfen, sowie auf wissenschaftlich fundierte kognitiv-lerntheoretisch/verhaltenstherapeutische Methoden.

Das Gesetz der Anziehung

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“Gedanken werden nicht real. Gedanken SIND real!”

(Eric Michael Leventhal)

Der heutige Blogbeitrag behandelt das Gesetz der Anziehung. Das oben genannte Zitat liebe ich deswegen, weil es im Prinzip sowohl meine Arbeits- als auch Lebensweise beschreibt. Im Laufe meiner Studien- und Ausbildungszeit wunderte ich mich immer mehr, warum so viele Menschen so negativ denken, und auch Negatives in ihrem Leben zulassen. Ich habe gelernt, dass die persönliche Denkweise sehr viel im eigenen Leben bewirken kann, beziehungsweise habe ich eigentlich bereits seit meinem Kindes- und Jugendalter spontan und natürlich eine andere, “positivere” Denkweise gehabt.

Im Verlauf meiner Studien kam ich natürlich auch mit dem Gesetz der Anziehung in Kontakt. Das Gesetz der Anziehung wurde bereits in vielen eher als esoterisch zu betrachtenden Werken beschrieben, ich möchte heute auch meine psychologisch-wissenschaftliche Sicht dazu wiedergeben, da es im Wesentlichen meine persönliche Denkweise wiedergibt.

Warum schreibe ich darüber?

Als Psychologe und Coach kommen immer wieder Menschen zu mir, die prinzipiell mit ihrem Leben nicht zufrieden sind. Als eines der ersten Punkte, die gemeinsam bearbeitet werden, stehen die Gedanken der Person im Vordergrund. Wie geht die Person mit sich selbst um? Denkt sie liebevoll oder denkt sie negativ über sich selbst? Dem entsprechend wirkt es sich auch auf das eigene Leben aus, wie soll und kann man ein positives, glückliches und erfülltes Leben führen, wenn man mit sich selbst nicht im Reinen ist?

Letzten Endes sind wir alle für unser Schicksal selbst verantwortlich. Es kann sein, dass du dich gerade in einer unglücklichen Ehe befindest, eine schreckliche Kindheit hattest, dich in einem schrecklichen Beruf befindest, oder andere negative Dinge in deinem Leben passiert sind. Niemand ist perfekt, und das ist in Ordnung. Jeder hat seine oder ihre persönliche Geschichte, aber es liegt ausschließlich an dir selbst, ob und wie du deine Gegenwart und auch Zukunft gestaltest!

Quantenphysik? Und Gesetz der Anziehung? 

Eine Zeitlang habe ich mich intensiv mit der Quantenphysik auseinander gesetzt. Speziell die theoretischen und praktischen Ergebnisse von Studien in diesem Bereich in den letzten 10 bis 15 Jahren sind bemerkenswert. Eine der interessantesten Theorien in diesem Bereich derzeit ist die String-Theorie. Diese geht im Wesentlichen und stark zusammengefasst davon aus, dass jegliche Materie, Moleküle, Atome, Elektronen, Neutronen, usw. sich reduzieren lässt auf so genannte Strings, winzigste kleine Teilchen. Die Größe dieser Teilchen beträgt ein Millionstel eines Milliardstel eines Milliardstels eines Milliardstes eines Zentimeters, und es wird angenommen, dass diese Strings winzige Linien von Energie darstellen.

Dieser Theorie (und auch anderen) zufolge besteht jegliche Materie aus purer Energie. Die Webseite, die sie gerade ansehen, die Augen, die sie gerade benutzen, die Luft, die sie gerade atmen – alles “nur” pure Energie. Du selbst bist pure Energie! Wir leben also in spannenden Zeiten, wenn die Wissenschaft im Prinzip uralte Annahmen dessen was wir sind, bestätigt. Bereits der Buddhismus spricht davon, dass alles eins ist, dass Gedanken und die Realität aus dem selben “Stoff” bestehen.

Das Gesetz der Anziehung: Der eigene Fokus

Ich persönlich bin ein überzeugter Anhänger des Gesetzes der Anziehung. Wenn jemand in einer guten Grundstimmung ist, werden auch positive Ereignisse im Leben angezogen. Wenn jemand in einer negativen Grundstimmung ist, werden eher negative Ereignisse im Leben angezogen.

Der springende Punkt ist der Fokus. Auch einer positiv denkenden Person werden eher negative Dinge im Leben oder im Alltag passieren, sie entscheidet sich jedoch einfach dafür, mehr Augenmerk auf Positives zu legen. Umgekehrt werden auch einer negativ denkenden Person gute Dinge im Alltag passieren, die allerdings nur selten wahrgenommen werden, da der Fokus so sehr auf negative Dinge gerichtet wurde.

Im Verlauf der Zeit kann es jedoch passieren, dass negative Dinge geradezu angezogen werden. Umgekehrt, wenn der Fokus mehr auf positiven Dingen liegt, kann es tatsächlich passieren, dass scheinbar mehr und mehr positive Dinge passieren. Eine positive Nachricht führt zur nächsten, scheinbar gleich einer Kettenreaktion.

Wo liegt dein Fokus? Fokussierst du mehr auf negative oder positive Ereignisse? Im Prinzip macht es keinen Unterschied, denn negative Dinge können so oder so passieren. Warum also nicht den Fokus bewusst auf positive Dinge im Alltag und im Leben legen, denn nur so können wir im Verlauf der Zeit wirklich glücklich sein.

Der Zusammenhang mit Quantenphysik

Wie vorhin dargestellt, bestehen wir alle theoretisch aus kleinsten energetischen Teilchen, unsere Gedanken genauso wie die scheinbar realen Dinge, die uns umgeben. Dieser Gedanke ist ein wunderbarer – alles was uns umgibt, besteht aus der selben Materie wie unsere Gedanken. Selbst der heutige Blog, den du liest, bestand ursprünglich aus Gedanken. Meine Gedanken, in Form von Buchstaben online gestellt, und nun als “Realität” in deinem Kopf.

Eine weitere spannende Idee ist das Gesetz der Anziehung – Teilchen ziehen sich an. Teilchen, die ihre Gedanken bilden (ihre Gedanken SIND Teilchen) ziehen andere Teilchen an, die die Realität abbilden. Theoretisch ist es also tatsächlich so, dass ihre Realität ihre Gedanken darstellt.

Was wäre also, wenn unsere Gedanken tatsächlich reale Dinge anziehen? Ist es dann nicht an der Zeit, deine Gedanken zu überprüfen, um wirklich ausschließlich positive Dinge in dein Leben zu ziehen?

Tipps und Tricks aus der Psychologie

Vielen Menschen fällt es jedoch schwer, sich von alten belastenden Gedanken zu trennen, und positiver zu denken. Ich möchte hier ein paar Tipps und Tricks der Psychologie vorstellen.

Studien fanden heraus, dass Personen, die glückliche Gedanken auch laut aussprechen, glücklicher waren als diejenigen, die es “nur” denken. Weiters waren Personen, die Vorhaben und geplante Tätigkeiten laut aussprechen auch eher in der Lage, diese auch in die Tat umzusetzen. Stell dich also jeden Morgen vor den Spiegel, und übe positiv-beeinflussende Gedanken, indem du diese laut aussprichst. Formuliere auch deine Wünsche, was du in deinem Leben erreichen willst, nicht nur im Kopf, sondern sprich diese jeden Tag laut aus.

Auch Dinge, die uns in einem negativen Sinne beschäftigen, können wir sozusagen “wegwerfen”. Auch hier fanden Studien, dass Personen, die ihre negativen Gedanken auf ein Stück Papier schrieben, dieses wegwerfen, eher in der Lage sind, sich auch von ihren negativen Gedanken zu befreien. Sie dachten nach dem Wegwerfen nicht mehr an diese Dinge.

Das selbe passiert mit positiven Gedanken. Personen, die ihre positiven Formulierungen ihrer Gedanken auf ein Stück Papier schrieben, und dieses mit sich tragen, denken mehr daran. Schreibe also deine positiven Gedanken auf ein Stück Papier und trage es mit dir herum, oder befestige es irgendwo, damit du es ständig siehst. Je öfter du es siehst, desto schneller und beständiger wird es auch verinnerlicht.

Gib dir Zeit

Die genannten Tipps und Tricks sollten dir helfen, von nun an bewusst positiver zu denken. Dem Gesetz der Anziehung nach kann es auch dir helfen, mehr positive Dinge in dein Leben zu ziehen.

Selbstverständlich können Veränderungen nicht über Nacht passieren. Du musst geduldig sein, und mit kleinen Schritten rechnen. Was du heute bist, wo du heute arbeitest, dein Übergewicht, die Menschen mit denen du dich umgibst, das ist alles ein Ergebnis der letzten Jahre. Entscheidungen die du getroffen hast, und bei denen du dir etwas gedacht hast.

Wenn du jedoch ab heute Entscheidungen bewusst triffst, und dich bewusst für eine positive Denkweise entscheidest, wird sich auch dein Leben nach und nach verändern. Ob es am Gesetz der Anziehung liegt, an der String-Theorie oder auch “nur” an der Psychologie, ist eigentlich nicht wichtig – wichtig ist, dass es wirkt. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass das Gesetz der Anziehung wirkt.

Selbstverständlich stehe ich gerne dazu bereit, auch mit Ihnen online über dieses Thema zu sprechen!

Über den Autor: Mag. Dr. Mario Lehenbauer-Baum ist Klinischer Psychologe, Gesundheitspsychologe, zertifizierter Arbeits-, Wirtschafts- und Organisationspsychologe, Autor und Herausgeber zahlreicher Artikel und Buchkapitel, Motivationscoach und professioneller Sprecher auf Konferenzen, sowie in der universitären Forschung (Sigmund Freud Universität in Wien sowie Vanderbilt University in Nashville, Tennessee, USA) tätig. Seine Forschungsschwerpunkte fokussieren auf die Schnittstelle Psychologie und neue Medien (Online-Rollenspiele, Internetsucht, Internetgebrauch in der Praxis), virtuelle Realitäten sowie Games for Health (digitale Spiele und psychologische Interventionen). In seiner Onlineberatungspraxis fokussiert er vor allem auf positive Psychologie, um Menschen zu einem glücklicheren und erfüllteren Leben zu verhelfen, sowie auf wissenschaftlich fundierte kognitiv-lerntheoretisch/verhaltenstherapeutische Methoden.

Sei dein bester Freund

„Achte auf deine Gedanken, denn sie werden zu Worten. Achte auf deine Worte, denn sie werden zu deinen Handlungen. Achte auf deine Handlungen, denn sie werden zu Gewohnheiten. Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter. Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal“

Talmut oder Gandhi, Quelle nicht näher bekannt

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Als Psychologe und Coach treffe ich mich mit vielen Menschen in verschiedenen Lebensumständen. Selbst außerhalb meiner Beratungspraxis komme ich nicht umhin, manche Dinge auch mit einem psychologischen Auge zu betrachten. Es ist erstaunlich, wie viel Energie Menschen aufbringen können, um ihr eigener Feind zu sein, Dinge zu überdenken und zu sehr in der Vergangenheit zu leben, anstatt sich auf das Heute einzulassen. Manche Menschen können einfach nicht anders!

Jedoch – und dafür gibt es Psychologen und Coaches, man kann auch anders. Mit meinem Blog, mit dem heutigen Artikel, möchte ich dich mit deinem größten Feind bekannt machen. Das sind nicht andere, das bist du selbst. Nur du selbst kannst dir helfen, und ich möchte heute ein paar Grundlagen für „happiness“, um glücklich zu sein, beschreiben.

Dinge überdenken und an sich zweifeln

Wir haben alle Fehler gemacht, und wir machen alle Fehler – und wir werden weiterhin Fehler machen. Wir haben alle Entscheidungen getroffen, größere oder kleinere, die wir im Nachhinein bereuen. Allerdings gibt es auch andere Dinge, es gibt Situationen, in denen wir anderen geholfen haben, es gibt nette Briefe oder Emails, die wir an andere versendet haben, wir haben mit jemandem gesprochen und ihm oder ihr geholfen und ihn oder sie bestärkt. Warum konzentrieren wir uns so stark auf negative Ereignisse, anstatt dass wir uns an positive Dinge erinnern?

Es ist erstaunlich, wieviel Energie Menschen aufbringen können, um sich auf negative Dinge zu konzentrieren. Sie überdenken Situationen, denken daran wie sie reagiert haben, wie sie eigentlich reagieren hätten sollen, etc. Unser aller Leben ist voll von Aufs und Abs geprägt, und wir machen alle unsere Fehler. Wie können wir erwarten, dass andere uns vergeben, wenn wir nicht in der Lage sind, uns selbst zu vergeben? Der erste Schritt ist daher, sich selbst zu vergeben…

Unsere Fehler die wir begangen haben, unsere Entscheidungen die wir getroffen haben – sie alle prägen uns und haben uns zu dem Menschen gemacht der wir heute sind. Wenn du also heute anders reagieren würdest als damals – Gratulation! Dann war die Vergangenheit ein exzellenter Lehrer, der dich vor weiteren Fehlern bewahrt. Blick nach vorne, und fokussiere vor allem auf die Gegenwart und auf deine Zukunft.

Deine Vergangenheit ist dein Lehrer – und sonst nichts

Wir haben alle unsere Fehler gemacht, niemand ist perfekt. Wir haben gute Tage, und schlechte Tage, in denen sich scheinbar die ganze Welt gegen uns verschworen hat. Wichtig ist, sich zu erinnern, dass das Leben aus Aufs und Abs besteht. Wenn wir ganz unten sind, werden wir auch wieder nach oben kommen. Es ist in Ordnung, wenn es Tage gibt, in denen wir uns nicht so gut fühlen. Es ist in Ordnung, wenn wir manchmal traurig sind. Und es ist auch in Ordnung, wenn wir manchmal Dinge oder Entscheidungen, die wir getroffen haben, bereuen. Es ist in Ordnung, solange es uns nicht daran hindert, im HEUTE zu leben und unser fantastisches MORGEN zu planen.

Jeder Fehler, den wir begehen, bringt uns näher zum Erfolg, jede Entscheidung die wir getroffen haben und treffen, macht uns zu dem Menschen, der wir sind. Es gab einen Grund warum wir Entscheidungen getroffen haben, wir haben es halt damals nicht besser gewusst. Nur sollten wir nicht zu hart mit uns selbst umgehen, das GESTERN oder unsere Vergangenheit sollen uns ein Lehrer sein, nicht mehr und nicht weniger.

Lass es einfach heute zu, dass jeder vergangene Moment ein Investment in eine bessere Zukunft ist!

Sei nicht dein eigener Feind

Wir alle haben diese kleine Stimme in unserem Kopf. Diese kleine Stimme, die uns zuflüstert „du könntest 5kg abnehmen“, „du bist nicht liebenswert“, „du musst mehr tun“, „kümmere dich mehr um andere als um dich selbst“, „das hast du nicht verdient“, „du wirst nie glücklich sein“ – kommt dir das bekannt vor? In einer mehr oder weniger ausgeprägten Variante kommen diese negativen Gedanken bei uns allen vor.

Das ist verblüffend. Anstatt gütig zu sich selbst zu sein, anstatt liebevoll mit sich selbst umzugehen, wählen viele Menschen einen negativen Umgang, und sind überstreng mit sich selbst. Sie hindern sich selbst am eigenen Glück! Sie fühlen sich schuldig, wenn sie einmal etwas gutes für sich selbst tun. Wir alle haben Tage, an denen wir uns eventuell schuldig wegen etwas fühlen, oder weil wir etwas nicht verdienen, aber es trotzdem haben. Schuld ist ein sehr nagendes Gefühl, das uns nahezu versteinert, bis wir nichts mehr machen können.

Versuche einfach, dir selbst dein bester Freund zu sein. Schreibe deine Gedanken auf, so wie sie während des Tages auftreten, und versuche sie systematisch in hilfreiche Gedanken umzuwandeln.

Gedanken, die dir weiterhelfen

Wenn du bewusst deine Zukunft ändern willst, musst du im Heute beginnen, und ein erster Schritt besteht darin, mit deiner Vergangenheit Frieden zu schließen. Die berühmten „Hätte ich… wäre ich …“ Gedanken bringen uns nicht wirklich weiter, sondern behindern uns in unserer Entwicklung. Das Gestern ist vergangen, alles was wir haben, ist das heute, und unsere Zukunft, für die wir selbst verantwortlich sind – fang heute damit an, dein Leben in kleinen Schritten in die Richtung zu lenken, wo du sein möchtest. Und übe selbstbestärkende und hilfreiche Gedanken. Wirklich glückliche Menschen sind nicht nur liebevoll zu anderen Personen – sie sind es in erster Linie zu sich selbst. Such gleichgesinnte Personen, die dich ebenfalls bestärken, und eliminiere systematisch Personen, die dir nicht gut tun. Wenn du eine bessere Welt für dich selbst möchtest, musst du in dir selbst beginnen.

Hilfreiche Gedanken und Einstellungen werden zu deinen Handlungen, zu deinen Gewohnheiten, zu deinem Charakter, und letztendlich auch zu deinem Schicksal!

Über den Autor: Mag. Dr. Mario Lehenbauer-Baum ist Klinischer Psychologe, Gesundheitspsychologe, zertifizierter Arbeits-, Wirtschafts- und Organisationspsychologe, Autor und Herausgeber zahlreicher Artikel und Buchkapitel, Motivationscoach und professioneller Sprecher auf Konferenzen, sowie in der universitären Forschung (Sigmund Freud Universität in Wien sowie Vanderbilt University in Nashville, Tennessee, USA) tätig. Seine Forschungsschwerpunkte fokussieren auf die Schnittstelle Psychologie und neue Medien (Online-Rollenspiele, Internetsucht, Internetgebrauch in der Praxis), virtuelle Realitäten sowie Games for Health (digitale Spiele und psychologische Interventionen). In seiner Onlineberatungspraxis fokussiert er vor allem auf positive Psychologie, um Menschen zu einem glücklicheren und erfüllteren Leben zu verhelfen, sowie auf wissenschaftlich fundierte kognitiv-lerntheoretisch/verhaltenstherapeutische Methoden.

Die Macht negativer Gedanken

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„Das, was jemand von sich selbst denkt, bestimmt sein Schicksal“.

Mark Twain

IMG_6706Unser Denken bestimmt unser Schicksal – nur wenige Menschen werden noch nie davon gehört haben. Auch die Psychologie hat dazu etwas zu sagen. Mit „Train of Thoughts“ – ein ständiger Gedankenstrom – bezeichnet man im englischen Raum das Phänomen, dass Menschen im Wachzustand immer denken. Egal, ob du gerade einen Film im Fernsehen ansiehst, dieses Buch liest, Sport betreibst, ein Bad nimmst, am Weg zur Arbeit bist – du denkst immer. Das bedeutet im übertragenen Sinne auch, dass unser Denken unser Leben bestimmt (sozusagen unser Schicksal). Der heutige Blog behandelt so genannte negative automatische Gedanken, die jeder von uns in der einen oder anderen Form erlebt.

Wir denken ständig

Versuche einmal, eine ganze Minute lang an nichts zu denken. Dein Kopf sollte leer sein, keine Stimmen im Kopf, keine Erinnerungen, keine Bilder. Das gelingt nur wenigen Menschen auf dieser Erde (meist meditierende Mönche, die diesen Zustand über Jahre oder Jahrzehnte hinweg trainieren).

Da wir tagtäglich mit diesem Gedankenstrom konfrontiert sind, soll dieser Artikel darüber aufklären, was es mit diesem Strom auf sich hat, und was negative automatische Gedanken sind. Bereits das Wissen über das eigene Denken (ein Denken an das Denken) reicht aus, um das eigene Denken und damit auch Menschen zu verändern.

Jeder Mensch denkt immer und überall. Man erinnert sich an Situationen, durchlebt gewisse Situationen nochmals im Kopf, eine Stimme im Kopf liest mit, wenn wir ein Buch lesen, wenn wir Musik hören, uns mit Freunden unterhalten, kurz vor dem Einschlafen sind, und wenn wir aufwachen. Eng verbunden mit unseren Gedanken sind auch unsere Gefühle. Negative Gedanken lösen in der Regel unmittelbar auch eher negative, beklemmende Emotionen aus und umgekehrt.

Negative automatische Gedanken

Besonders häufig bei vielen Personen sind so genannte negative automatische Gedanken. Diese Gedanken werden deshalb als automatisch bezeichnet, da sie „automatisch“, ohne unser bewusstes Zutun, ablaufen. Sobald wir in eine für uns unangenehme Situation kommen, kann es sein, dass negative Gedanken automatisch ablaufen. Beispiele dazu sind:

  • Jemand beendet eine Beziehung. Es kommen automatisch Gedanken wie „Ich bin nicht liebenswert“, „Ich werde für immer allein sein“,oder „Ich werde nie wieder jemanden finden“.
  • Jemand bekommt eine negative Note auf eine Prüfung. Es kommen automatisch Gedanken wie „Ich werde das nie schaffen“, „Die anderen sind immer besser“, „Ich werde ständig ein Verlierer sein“.
  • Jemand heiratet. Auch ein positives Ereignis kann negative Gedanken auslösen, wie beispielsweise: „Ich werde es nie schaffen, die andere Person glücklich zu machen“, „Ich habe so viel Glück gar nicht verdient“ oder „Er/Sie hat einen besseren Partner verdient“.

Diese negativen automatischen Gedanken kommen in einer mehr oder weniger ausgeprägten Form bei fast jedem Menschen vor. Meistens stammen diese Gedanken aus negativen Erfahrungen in der Kindheit und Jugend, die sich gefestigt haben, sie werden daher auch als „Grundüberzeugung“ bezeichnet. Vor allem bei unsicheren Menschen laufen sehr oft negative Gedanken automatisch „im Hintergrund“ mit, ohne dass sie sich dessen bewusst sind.

Arten negativer Gedanken

Auch erfolgreiche Menschen haben Selbstzweifel und negative Gedanken, im Unterschied zu weniger erfolgreichen Menschen lassen sich diese nicht von diesen negativen Gedanken beirren. Wichtig ist daher, sich der Macht dieser Gedanken bewusst zu werden, um etwas dagegen tun zu können. Negative automatische Gedanken lassen sich in mehrere teils überlappende Kategorien (jeweils mit Beispielen) unterteilen:

  • Alles-oder-Nichts- Denken: Ich muss eine Sache perfekt machen, ansonsten bin ich ein Versager.  Ich werde im  _____________ nie gut sein.
  • Die Zukunft vorhersagen: Ich weiß, dass etwas Negatives passieren wird. Es wird immer wieder passieren.
  • Sollen und Müssen/Übertreibungen: Ich hätte ________ besser oder anders machen sollen. Ich muss immer das so machen. Ich muss in _______________ gut sein.
  • Gedanken-Lesen: Ich weiß, was die anderen denken. Ich weiß, wie mein Partner/mein Boss/meine Kollegen über mich denken. Sie lachen über mich. Sie nehmen mich nicht ernst. Wenn _______ so über mich denkt, werden die anderen das auch tun.
  • Katastrophisieren: Wenn ich anfange zu stottern, ist alles aus. Dann bin ich der totale Außenseiter. Ich werde bestimmt keinen Ton herausbringen. Wenn _________ mich verlässt, stürzt die Welt zusammen. Ich werde nie wieder jemanden finden. Ich werde total versagen.
  • Nicht-können: Ich kann das nicht. Ich werde das nie können. Ich brauche es erst gar nicht probieren. Ich werde nicht in der Lage sein, die Situation zu meistern.
  • Nicht den eigenen Fähigkeiten vertrauen: Das kann jeder. Es war Zufall, dass das geklappt hat. Nächstes Mal wird es bestimmt wieder schieflaufen. Das war doch keine besondere Leistung von mir.

In der einen oder anderen Form kann sich jeder Mensch mit einigen dieser Gedanken identifizieren, vielleicht findest du dich auch in einigen dieser Gedanken wieder. Bereits das Wissen über negative Gedanken kann ausreichen, um diese zu identifizieren und im Idealfall auch zu ändern.

Manchmal ist es jedoch auch hilfreich, mit einem Professionisten über persönliche Probleme zu sprechen. Im Rahmen meiner Onlineberatung stehe ich gerne für weitere Fragen oder für eine persönliche Sprechstunde zur Verfügung, senden Sie mir einfach eine Email an office@drlehenbauer.com.  Wenn Sie Interesse an weiteren Blog-Artikeln und sonstigen Themen im Bereich der Psychologie haben, können Sie sich auch gerne für meinen Newsletter im rechten Bereich der Homepage anmelden.

Über den Autor: Mag. Dr. Mario Lehenbauer-Baum ist Klinischer Psychologe, Gesundheitspsychologe, zertifizierter Arbeits-, Wirtschafts- und Organisationspsychologe, Autor und Herausgeber zahlreicher Artikel und Buchkapitel, Motivationscoach und professioneller Sprecher auf Konferenzen, sowie in der universitären Forschung tätig. Seine Forschungsschwerpunkte fokussieren auf die Schnittstelle Psychologie und neue Medien (Online-Rollenspiele, Internetsucht, Internetgebrauch in der Praxis), virtuelle Realitäten sowie Games for Health (digitale Spiele und psychologische Interventionen). In seiner Praxis fokussiert er vor allem auf positive Psychologie, um Menschen zu einem glücklicheren und erfüllteren Leben zu verhelfen, sowie auf wissenschaftlich fundierte kognitiv-lerntheoretisch/verhaltenstherapeutische Methoden.

Gehen lassen, los lassen

Gehen lassen – Los lassen

Man fühlt sich sicher und geborgen, man hat sich etwas Schönes mit einem Menschen geschaffen, man schmiedet Pläne für die Zukunft – und dann passiert es. Eine Veränderung. Jemand macht Schluss, beendet die Beziehung, möchte sich scheiden lassen, zieht an einen anderen Ort, man verliert den Job, hat eine schwere Krankheit. Das Leben konfrontiert uns mit harten Fakten, dass nichts dazu bestimmt ist, für immer so zu sein wie es momentan ist. Und das ist beängstigend. In meinem heutigen Blogbeitrag geht es vor allem um das Thema Gehen lassen sowie los lassen.

Veränderung zulassen

Veränderung passiert immer, manchmal reißt es uns jedoch aus unserer Komfortzone heraus. Wir sind dann zum Handeln gezwungen, wenn wir das Beste daraus machen wollen. In diesem Kapitel geht es vor allem darum, warum es so schwer fällt, etwas oder jemanden gehen zu lassen. Es ist eine natürliche Reaktion, da wir mit Veränderlichkeit konfrontiert sind.

Warum sollte man jemand oder etwas gehen lassen? Jemand oder etwas bewusst gehen zu lassen, bedeutet, wieder Kontrolle über das eigene Leben zu bekommen. Anstatt dass wir uns als Opfer unveränderlicher Gegebenheiten sehen, können wir selbst etwas verändern und kontrollieren – uns selbst.

Wenn eine Beziehung zu Ende geht, oder ein geliebter Mensch nicht mehr vorhanden ist, haben wir das Gefühl, dass unser Leben auseinander fällt. Wenn auch immer wir dieses Gefühl haben, versuchen wir krampfhaft, an etwas Altem, Gewohnten festzuhalten. Wir halten an einem alten Partner fest, an gewohnten Umgebungen, an alten Dingen, da sie uns an etwas Vertrautes erinnern, an etwas das uns Geborgenheit und Sicherheit vermittelt hat. Niemand lebt gerne mit Unsicherheit!

Es gibt nur wenige Menschen, die sich sofort flexibel an neue Gegebenheiten anpassen. Um eine Krise jedoch bestmöglich zu überwinden, ist es notwendig, Menschen und Dinge gehen zu lassen, die uns nicht mehr dienlich sind. Das ist nicht einfach.

Menschen sind Gewohnheitstiere

Menschen sind Gewohnheitstiere, die immer an etwas festhalten. Das kann eine Partnerschaft sein, eine Beziehung zu Eltern, Kindern oder Freunden, die Karriere, ein Haus, ein Auto, oder allgemeiner Besitz. Wir fühlen uns sicher und geborgen, es gibt uns ein Gefühl von Sicherheit, jemanden oder etwas in unserer Nähe zu wissen. „Wenn ich kein Geld mehr habe, dann habe ich zumindest das Haus“, „Ich kann ihm oder ihr immer vertrauen, wenn einmal etwas schiefgeht“, „Meine Karriere bleibt mir für immer“. Diese Gedanken geben uns Sicherheit.

Das Fatale daran ist jedoch, dass immer etwas passieren kann, es gibt keine Sicherheit im Leben. Beziehungen gehen auseinander, ein Haus oder ein Auto können aus verschiedenen Gründen verloren gehen, und man steht alleine da. Man realisiert, dass man selbst die einzige Person ist. Und man realisiert, dass die einzige Person, der man wirklich vertrauen kann, man selbst ist. Sicherheit lässt sich nicht außen finden – sie muss von innen kommen!

Wir alle haben unsere persönliche Komfortzone. Wir haben es uns gemütlich gemacht, mit einer Partnerschaft, mit einem Haus, einem schönen Auto, und wir fühlen uns sicher – solange bis ein Ereignis uns scheinbar alles wegnimmt. Wenn wir uns immer sicher fühlen in unserem Teich, woher sollen wir dann wissen, dass es da draußen einen See gibt, ja sogar einen riesigen Ozean? An etwas festzuhalten, weil es uns vertraut ist, kann auch der Grund sein, warum es uns nicht besser geht.

Gehen lassen ist beängstigend. Es schmerzt. Es ist ein großes Risiko, wie ein freier Fall ohne Sicherheitsnetz. Für uns Menschen als Gewohnheits- und Sicherheitstiere ist das eine große Herausforderung, jemanden oder etwas bewusst gehen zu lassen.

Kontrolle über das eigene Leben gewinnen

Lassen wir etwas oder jemanden gehen, lassen wir auch automatisch zu, dass etwas Neues in unser Leben treten kann. Wir lassen alte Denkmuster, alte Gewohnheiten, alte liebgewonnene Verhaltensweisen gehen. Wir lassen etwas gehen, das sehr lange ein Teil von uns war. Wir sind gezwungen, etwas los zu lassen das uns lange Zeit etwas bedeutet hat, und das schmerzt.  Alles Neue oder Ungewohnte löst Angst aus. Aber sobald man etwas bewusst gehen lässt, bekommen wir automatisch mehr Kontrolle über unser Leben. Wir gewinnen mehr und mehr Kontrolle, und übernehmen aktiv wieder das Steuer, anstatt andere für uns fahren zu lassen und passiver Beifahrer zu sein.

DU übernimmst die Kontrolle über dein Leben. DU triffst die Entscheidung, jemanden gehen zu lassen und ein Kapitel abzuschließen. DU triffst die Entscheidung für eine Scheidung oder ein Beziehungsende. DU triffst die Entscheidung, das Auto zu verkaufen. DU triffst die Entscheidung, an einen anderen Ort zu ziehen.

Sobald du beginnst, Entscheidungen zu treffen, werden Dinge passieren. Dein Leben kommt wieder in Gang. Es kommen Freunde, um dich zu unterstützen. Du bekommst Hilfe von unerwarteter Seite. Es ist so, als ob dein Leben sagen will „Hey! Gratuliere! Du hast eine Entscheidung getroffen! Nun lass mich dir helfen!“.

Der erste Schritt

Den ersten Schritt hast du gemacht. Du liest diese Seite durch.  Das bedeutet, dass du eine Situation der Veränderung hinter dir hast, oder du gerade mitten drin bist. Jemand hat eine Beziehung beendet, du bist mit Veränderung konfrontiert, und du möchtest das Beste daraus machen. Eine Veränderung ist immer mit Angst und Unsicherheit verbunden. Man wird aus der eigenen Komfortzone hinaus gestoßen, und verliert Sicherheit. Mit deiner Entscheidung, etwas gehen zu lassen, bekommst du wieder Kontrolle über dein Leben.

Tipps zum Loslassen

Loslassen und gehen lassen kann schwer fallen. Versuche, dir folgende Fragen zu stellen:

  • Wann hat mir diese Situation oder diese Person zuletzt gut getan?
  • Warum halte ich so sehr an dieser Situation oder Person fest? Warum fällt es mir so schwer, loszulassen?
  • Welche neuen Aktivitäten kann ich in mein Leben lassen? Wo finde ich Unterstützung? Wer kann mir dabei helfen, etwas Neues in meinem Leben zuzulassen?
  • Was wollte ich schon immer machen, konnte es mir aber bisher nicht eingestehen?

Diese Fragen sollten dir dabei helfen, neue Dinge in deinem Leben zu finden und zuzulassen. Wichtig ist, dass du Geduld hast, und auch geduldig und achtsam mit dir selbst umgehst. Äußere Veränderungen passieren schnell, Veränderungen im Inneren brauchen jedoch Zeit.

 

Manchmal ist es jedoch auch hilfreich, mit einem Professionisten über persönliche Probleme zu sprechen. Im Rahmen meiner Onlineberatung stehe ich gerne für weitere Fragen oder für eine persönliche Sprechstunde zur Verfügung, senden Sie mir einfach eine Email an office@drlehenbauer.com.  Wenn Sie Interesse an weiteren Blog-Artikeln und sonstigen Themen im Bereich der Psychologie haben, können Sie sich auch gerne für meinen Newsletter im rechten Bereich der Homepage anmelden.

Über den Autor: Mag. Dr. Mario Lehenbauer-Baum ist Klinischer Psychologe, Gesundheitspsychologe, zertifizierter Arbeits-, Wirtschafts- und Organisationspsychologe, Autor und Herausgeber zahlreicher Artikel und Buchkapitel, Motivationscoach und professioneller Sprecher auf Konferenzen, sowie in der universitären Forschung tätig. Seine Forschungsschwerpunkte fokussieren auf die Schnittstelle Psychologie und neue Medien (Online-Rollenspiele, Internetsucht, Internetgebrauch in der Praxis), virtuelle Realitäten sowie Games for Health (digitale Spiele und psychologische Interventionen). In seiner Praxis fokussiert er vor allem auf positive Psychologie, um Menschen zu einem glücklicheren und erfüllteren Leben zu verhelfen, sowie auf wissenschaftlich fundierte kognitiv-lerntheoretisch/verhaltenstherapeutische Methoden.

 

Wege, um glücklich zu sein

Es gibt keinen Weg zum Glück. Glücklich-sein ist der Weg.“ 

Zitat aus dem Buddhismus

Als Klinischer Psychologe bin ich oft mit dem Wunsch von Klienten konfrontiert „Ich will glücklich sein“. Es gibt wohl nur wenige Menschen auf dieser Welt, die bewusst nicht glücklich sein wollen. Das Zitat drückt aus, dass es nicht den einen wahren Weg zum Glück gibt, es sind mehrere Wege, die allerdings allesamt vereinen, dass Glück mit Glücklich-Sein einher geht. In der Positiven Psychologie gibt es bereits zahlreiche Studien, die sich mit Glück und dem Gefühl, glücklich zu sein, beschäftigen. Der heutige Artikel behandelt daher einige Tipps, die zu einem Glücksgefühl und damit einem erfüllteren Leben beitragen können.

1. Gedanken fallen lassen

Viele Menschen tendieren dazu, Situationen zu „überdenken“, zuviel an etwas zu denken, Handlungsstränge auszudenken im Sinne von „Was ist  wenn… und dann… ich hätte… dann wäre… ich muss… ich werde… dann ist es…“.

Es liegt in der menschlichen Natur, Mutmaßungen anzustellen. Man überanalysiert andere Reaktionen und interpretiert etwas in Dinge, die nicht einmal den Tatsachen entsprechen. Dieses Überinterpretieren und Überanalysieren dient Dir nicht, es bringt nichts in Richtung Glücklich-Sein, da Mutmaßungen und Annahmen in den meisten Fällen falsch sind. Deshalb:

Stell Dir ein Geräusch vor – stell Dir vor, wie ein Stein auf Sand fällt, ein plumpes, dumpfes Geräusch.

Das selbe Geräusch kannst Du Dir vorstellen, wenn Du wieder an etwas zu viel denkst. Lass den Gedanken fallen wie einen Stein auf Sand, und geh einer anderen Aktivität nach.

2. Ausschalten!

Wir sind alle mittlerweile rund um die Uhr mit neuen Medien konfrontiert, ständig online. Mit Smartphones und Tablets wie iPhone und iPad hat jeder die Möglichkeit, mich immer und überall zu erreichen. Aber das war nicht immer so, und das stresst auch.

Manchmal braucht man Zeit für sich selbst, Zeit für Andere ohne ständig erreichbar zu sein. Mit „Ausschalten“ ist daher gemeint, das Smartphone einmal für ein paar Stunden auszuschalten. Treffe Dich mit Freunden, und schalte bewusst das Telefon aus. Nichts ist störender als wenn das Gegenüber ständig die neuesten Nachrichten kontrolliert oder sofort mit Textnachrichten anderen Personen antwortet.

Stell Dir vor, Du bist am Ende Deiner Tage. Glaubst Du wirklich, dass Deine letzten Gedanken „Die Zeit auf Facebook war wunderschön“ oder „Ich hätte diese Tweets noch senden müssen“ sind? Letztendlich sind es Erinnerungen mit anderen Menschen, die mir bleiben und qualitativ wertvolle Zeit, die miteinander verbracht wird. Diese Gefühle können nachhaltiges Glück hervorrufen.

3. Neues lernen!

Ich habe mein Doktorat vor ca. 2 Jahren beendet. Ich habe deswegen nicht aufgehört, neue Dinge zu lernen. Unser Gehirn will ständig mit neuen Dingen konfrontiert werden, auch wenn es sich manchmal weigert.

Manchmal werden wir zurück gehalten mit Gedanken wie „Kann ich das überhaupt“. Hier kommt der erste Punkt „Lass den Gedanken fallen“ ins Spiel, lass diesen Gedanken fallen, stelle keine Mutmaßungen über die Zukunft an, sondern lass Dich einfach treiben. Sei neugierig wohin Dich das Leben treibt!

Japanische Kalligraphie! Chinesische Sprache! Sushi Kochkurs! Motorradführerschein! Tanzschule! Klavierstunden! Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, etwas Neues zu lernen.

Wenn man annimmt, dass es in etwa 5 Jahre dauert, um ein Professionist in etwas Neuem zu werden, hast Du keine Ausrede – Du hast noch sehr viel Zeit, etwas Neues zu lernen, selbst wenn Du 50 oder 60 oder 70 (oder sogar 80) bist!

4. Vergeben und gehen lassen

Auch als Psychologe und professioneller Coach bin ich nur ein ein Mensch, und auch ich hatte teilweise manchmal das Gefühl oder den Wunsch, es jemand anderem irgendwie heimzuzahlen, wenn etwas nicht fair ablief.

Es hat nichts gebracht. Es zehrt an mir selbst, an meinen Gefühlen, und es hat mich im Leben nicht weiter gebracht. Wir haben alle Menschen in unserem Leben, die uns verletzen, die uns behindern, die uns bewusst missbrauchen. Gefühle von Rache sind daher nur natürlich, aber bringt uns in unserem Streben nach Glück nicht weiter.

Das Konzept von „Karma“ war daher etwas, das mich weiterbrachte. Ja es gibt Menschen die einen missbrauchen oder verletzen. Diese machen das aber auch mit anderen Menschen, und am Ende des Tages wird niemand mehr etwas mit diesen Menschen zu tun haben – das bezeichne ich als Karma, es kommt immer zu einem zurück, Gutes wie Schlechtes.

Anstatt auf negative Gefühle wie Rache zu fokussieren, habe ich mich bewusst dafür entschieden, zu vergeben und gehen zu lassen. Ich habe es als Lektion angesehen, vergeben und fallen lassen. Bereue nichts, was im Leben passiert ist, letztendlich hat es DICH stärker und zur Person, die Du heute bist, gemacht. Es gibt wesentlich wichtigere und schönere Dinge im Leben, die unsere Aufmerksamkeit erfordern.

5. Zurück geben – zufälliger Akt von Güte

Im Englischen gibt es die „random acts of kindness“, den zufälligen Akt von Güte. Wenn Du an Karma oder das Gesetz der Anziehung glaubst, ist es das Beste, wenn Du Gutes in diese Welt setzt.

Im amerikanischen Raum passiert es daher sehr oft, dass andere Menschen anonym das Essen von anderen, fremden Personen bezahlen mit einer kleinen Nachricht „… schön dass es dich gibt!“.

Probiere es aus! Spendiere anonym jemandem ein Getränk! Du wirst sehen, wie sich diese Person freut, du hast ihren Tag oder ihren Abend gerettet, und du selbst wirst dich ebenfalls besser fühlen. Wenn du Gott, dem Universum oder Karma vertraust, weißt du, dass alles zurück kommt.

Nun stell dir vor, wenn das mehr Menschen jeden Tag machen – ist die Welt dann nicht ein besserer Ort, um zu leben? Und es beginnt hier und heute, mit Dir.

6. Authentisch Sein

Seien Sie nicht jemand, der Sie nicht sind. Sei immer Du selbst… letztendlich geht es immer nur um dich. Wenn Menschen dich nur mögen, wenn du dich verstellst, dann bist du nicht ehrlich dir selbst oder anderen gegenüber.

Umgib dich mit Personen, die ähnlich denken wie Du, die Dir Gutes tun, Dich unterstützen so wie Du bist. Es wird immer Menschen geben, die Dich nicht so akzeptieren wie Du bist – aber Du hast die Wahl, ob Du sie in Dein Leben lässt oder nicht.

 

Das sind nur einige Tipps, die Glücklich-Sein fördern können. Lass den Gedanken fallen, sei im Hier und Jetzt, und lass das Über-Analysieren sein. Tue jemandem etwas Gutes, und warte gespannt, ob und wie es zu Dir zurück kommt! Letzten Endes geht es nur um Dich. Es wird immer andere Personen geben, die dich nicht so akzeptieren wie DU bist, aber Du hast die freie Wahl, ob Du Dich mit diesen Personen umgibst oder nicht.

Über den Autor: Mag. Dr. Mario Lehenbauer-Baum ist Klinischer Psychologe, Gesundheitspsychologe, zertifizierter Arbeits-, Wirtschafts- und Organisationspsychologe, Autor und Herausgeber zahlreicher Artikel und Buchkapitel, Motivationscoach und professioneller Sprecher auf Konferenzen, sowie in der universitären Forschung tätig. Seine Forschungsschwerpunkte fokussieren auf die Schnittstelle Psychologie und neue Medien (Online-Rollenspiele, Internetsucht, Internetgebrauch in der Praxis), virtuelle Realitäten sowie Games for Health (digitale Spiele und psychologische Interventionen). In seiner Praxis fokussiert er vor allem auf positive Psychologie, um Menschen zu einem glücklicheren und erfüllteren Leben zu verhelfen, sowie auf wissenschaftlich fundierte kognitiv-lerntheoretisch/verhaltenstherapeutische Methoden.