Achtsamkeit im hektischen Alltag finden

HPIM1347

„Achtsamkeit kann uns dabei helfen, wieder zu kommunizieren. Vor allem mit uns selbst!“

Thich Nhat Hanh

Es ist auch mir passiert… Stress im Alltag, Termine, Hektik, dieses Meeting, jenes Meeting… und man vergisst auf das Leben. Der heutige Blogbeitrag ist somit auch eine Erinnerung an mich, achtsam durch das Leben zu gehen, da man im Alltag so schnell darauf vergisst…

Was ist Achtsamkeit?

Achtsamkeit entstammt ursprünglich aus der asiatischen Philosophie, wurde jedoch auch von der westlichen Psychologie in den letzten Jahren verstärkt „beachtet“. Achtsamkeit beschreibt einen mentalen Zustand, in dem unsere Aufmerksamkeit vorwiegend auf die Gegenwart gelenkt wird. Das kann dadurch erreicht werden, indem wir unsere Gefühle, Gedanken und körperlichen Empfindungen so annehmen wie sie sind. Der Fokus wird dabei geschärft, und es werden Empfindungen so angenommen wie sie sind, ohne eine Wertung unsererseits – das kann durchaus eine psychologisch heilende Wirkung haben. Es gibt mehrere Übungen dazu, die auch in den Alltag eingebaut werden können. Sie werden bemerken, dass sich ihr mentaler Zustand über die nächsten Wochen hinweg verändern wird!

  1. Übung der Dankbarkeit: Jeden Morgen, sobald Sie munter werden, denken Sie an drei Dinge, für die sie derzeit dankbar sind. Je länger sie sich auf Dinge, für die sie dankbar sind, konzentrieren und fokussiert sind, desto länger können sie auch achtsam sein für positive Dinge, die um sie herum geschehen! Das können Dinge oder Personen sein, die sie üblicherweise als selbstverständlich sehen, die es aber eigentlich nicht sind.
  2. Übung des Fokus: Mentaler Fokus bezeichnet die Aufmerksam, die sie auf etwas richten. Bei dieser Übung geht es darum, dass sie das, was sie gerade tun, in vollem Bewusstsein tun – egal ob sie gerade Rad fahren, mit dem Auto oder der Bahn unterwegs sind, diesen Artikel oder einen Zeitungsartikel lesen, oder etwas anderes tun. Versuchen sie, sich wirklich auf diese Dinge zu konzentrieren, mindestens für 20 Sekunden. Versuchen sie, diese Zeit nach und nach auszudehnen.
  3. Übung der Entspannung: Nehmen Sie sich mindestens zwei Mal am Tag jeweils 10 Minuten Zeit, sich zu entspannen. Dabei geht es nicht darum, dass sie eine vollständige Entspannungsübung wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung durchführen (zumindest noch nicht zu Beginn), sondern sich bewusst Zeit für sich selbst und ihre Gedanken nehmen. Sie können sich selbst beruhigen und entspannen, indem sie beispielsweise auf ihre Atmung (im Idealfall Bauchatmung!) achten, und bewusst an die Worte „Ruhe“, „Stille“ oder „Gelassenheit“ denken.
  4. Übung der Stille: In unserer überaus hektischen Welt ist es für viele gar nicht mehr vorstellbar, absolute Stille auszuhalten. Dennoch ist es für einen ruhigen und achtsamen Geist wichtig, Stille auszuhalten und auch zu lernen, Stille zu ertragen. Das kann beispielsweise bei einem ruhigen Spaziergang ohne Musik passieren, bei dem sie ganz alleine mit sich selbst sind.
  5. Übung der Sinne: Unsere Sinne (wie beispielsweise Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten) sind immer aktiviert, in den meisten Fällen arbeiten sie jedoch unbewusst. Im Sinne der Achtsamkeit sollten sie versuchen, sich auf ihre Empfindungen der Sinne zu konzentrieren: Was schmecken sie genau in diesem Moment – welchen Geschmack haben sie im Mund? Was riechen sie? Bei der nächsten Mahlzeit lenken sie ihre Aufmerksamkeit bewusst auf ihre Sinne, wie schmeckt etwas, wie fühlt sich eine Speise im Mund an, aus welchen verschiedenen Komponenten besteht der Geruch einer Speise? Wie oft während des Tages fühlen sie sich stimuliert, aufgeregt, erregt, ängstlich, und warum ist das so? Anstatt sich ihren Empfindungen unbewusst hinzugeben, versuchen sie, diese bewusst anzunehmen und zu analysieren.
  6. Übung des eigenen Filters: Jeder Mensch nimmt seine oder ihre Umwelt durch einen Filter wahr, der unbewusst aktiviert ist. Dieser Filter, bestehend aus unseren Überzeugungen und Glaubenssätzen, bestimmt, wie bestimmte Informationen bei uns ankommen. Achtsam sein bedeutet, dass sie sich dessen bewusst sind, dass ihre Informationen durch einen Filter ankommen. Analysieren sie diesen Filter, nehmen sie wahr, wie welche Aktionen anderer Menschen bei ihnen ankommen, und warum welche Reaktionen bei ihnen ausgelöst werden. Glaubenssätze bedeuten, dass man eine Überzeugung hatte, wie manche Menschen sind – das bedeutet allerdings nicht, dass diese Glaubenssätze für immer gültig sind. Es ist wichtig, dass diese regelmässig achtsam analysiert und gegebenenfalls korrigiert werden.

 

Diese Übungen stellen nur einen kleinen Teil dessen dar, was sie mit Achtsamkeit im Alltag anstellen können. Wie bei vielem gilt auch hier, dass Übung den Meister macht. Achtsam sein bedeutet mehr Lebensfreude und Dankbarkeit im Alltag zu finden! Ich hoffe, dass sie – so wie ich – durch diesen Blogbeitrag wieder an die eine oder andere Übung erinnert werden, oder darauf aufmerksam werden, Achtsamkeit in den Alltag einzubauen. Ich stehe gerne zur Verfügung, wenn sie weitere Fragen diesbezüglich haben!

Über mich: Ich bin Klinischer Psychologe und Gesundheitspsychologe sowie zertifizierter Arbeits-, Wirtschafts- und Organisationspsychologe, Vater von zwei Teenagern und Ehemann “from the best human being”. Ich arbeite seit 2008 in freier Praxis als Berater und Psychologe vor allem im Bereich der Onlineberatung, um Menschen mit wissenschaftlich fundierten Methoden zu einem erfüllteren und glücklicheren Leben zu verhelfen. Weiters arbeite ich im wissenschaftlichen Bereich, bin Postdoctoral Research Fellow an der Sigmund Freud Privatuniversität in Wien als auch an der Vanderbilt Universität in Nashville, Tennessee/USA mit den Forschungsschwerpunkten Psychologie und neue Medien sowie Prävention von Depression und Angststörungen. Ich bin Autor zahlreicher Artikel, Buchkapitel sowie Sprecher auf Konferenzen und Kongressen.