Die Macht negativer Gedanken

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„Das, was jemand von sich selbst denkt, bestimmt sein Schicksal“.

Mark Twain

IMG_6706Unser Denken bestimmt unser Schicksal – nur wenige Menschen werden noch nie davon gehört haben. Auch die Psychologie hat dazu etwas zu sagen. Mit „Train of Thoughts“ – ein ständiger Gedankenstrom – bezeichnet man im englischen Raum das Phänomen, dass Menschen im Wachzustand immer denken. Egal, ob du gerade einen Film im Fernsehen ansiehst, dieses Buch liest, Sport betreibst, ein Bad nimmst, am Weg zur Arbeit bist – du denkst immer. Das bedeutet im übertragenen Sinne auch, dass unser Denken unser Leben bestimmt (sozusagen unser Schicksal). Der heutige Blog behandelt so genannte negative automatische Gedanken, die jeder von uns in der einen oder anderen Form erlebt.

Wir denken ständig

Versuche einmal, eine ganze Minute lang an nichts zu denken. Dein Kopf sollte leer sein, keine Stimmen im Kopf, keine Erinnerungen, keine Bilder. Das gelingt nur wenigen Menschen auf dieser Erde (meist meditierende Mönche, die diesen Zustand über Jahre oder Jahrzehnte hinweg trainieren).

Da wir tagtäglich mit diesem Gedankenstrom konfrontiert sind, soll dieser Artikel darüber aufklären, was es mit diesem Strom auf sich hat, und was negative automatische Gedanken sind. Bereits das Wissen über das eigene Denken (ein Denken an das Denken) reicht aus, um das eigene Denken und damit auch Menschen zu verändern.

Jeder Mensch denkt immer und überall. Man erinnert sich an Situationen, durchlebt gewisse Situationen nochmals im Kopf, eine Stimme im Kopf liest mit, wenn wir ein Buch lesen, wenn wir Musik hören, uns mit Freunden unterhalten, kurz vor dem Einschlafen sind, und wenn wir aufwachen. Eng verbunden mit unseren Gedanken sind auch unsere Gefühle. Negative Gedanken lösen in der Regel unmittelbar auch eher negative, beklemmende Emotionen aus und umgekehrt.

Negative automatische Gedanken

Besonders häufig bei vielen Personen sind so genannte negative automatische Gedanken. Diese Gedanken werden deshalb als automatisch bezeichnet, da sie „automatisch“, ohne unser bewusstes Zutun, ablaufen. Sobald wir in eine für uns unangenehme Situation kommen, kann es sein, dass negative Gedanken automatisch ablaufen. Beispiele dazu sind:

  • Jemand beendet eine Beziehung. Es kommen automatisch Gedanken wie „Ich bin nicht liebenswert“, „Ich werde für immer allein sein“,oder „Ich werde nie wieder jemanden finden“.
  • Jemand bekommt eine negative Note auf eine Prüfung. Es kommen automatisch Gedanken wie „Ich werde das nie schaffen“, „Die anderen sind immer besser“, „Ich werde ständig ein Verlierer sein“.
  • Jemand heiratet. Auch ein positives Ereignis kann negative Gedanken auslösen, wie beispielsweise: „Ich werde es nie schaffen, die andere Person glücklich zu machen“, „Ich habe so viel Glück gar nicht verdient“ oder „Er/Sie hat einen besseren Partner verdient“.

Diese negativen automatischen Gedanken kommen in einer mehr oder weniger ausgeprägten Form bei fast jedem Menschen vor. Meistens stammen diese Gedanken aus negativen Erfahrungen in der Kindheit und Jugend, die sich gefestigt haben, sie werden daher auch als „Grundüberzeugung“ bezeichnet. Vor allem bei unsicheren Menschen laufen sehr oft negative Gedanken automatisch „im Hintergrund“ mit, ohne dass sie sich dessen bewusst sind.

Arten negativer Gedanken

Auch erfolgreiche Menschen haben Selbstzweifel und negative Gedanken, im Unterschied zu weniger erfolgreichen Menschen lassen sich diese nicht von diesen negativen Gedanken beirren. Wichtig ist daher, sich der Macht dieser Gedanken bewusst zu werden, um etwas dagegen tun zu können. Negative automatische Gedanken lassen sich in mehrere teils überlappende Kategorien (jeweils mit Beispielen) unterteilen:

  • Alles-oder-Nichts- Denken: Ich muss eine Sache perfekt machen, ansonsten bin ich ein Versager.  Ich werde im  _____________ nie gut sein.
  • Die Zukunft vorhersagen: Ich weiß, dass etwas Negatives passieren wird. Es wird immer wieder passieren.
  • Sollen und Müssen/Übertreibungen: Ich hätte ________ besser oder anders machen sollen. Ich muss immer das so machen. Ich muss in _______________ gut sein.
  • Gedanken-Lesen: Ich weiß, was die anderen denken. Ich weiß, wie mein Partner/mein Boss/meine Kollegen über mich denken. Sie lachen über mich. Sie nehmen mich nicht ernst. Wenn _______ so über mich denkt, werden die anderen das auch tun.
  • Katastrophisieren: Wenn ich anfange zu stottern, ist alles aus. Dann bin ich der totale Außenseiter. Ich werde bestimmt keinen Ton herausbringen. Wenn _________ mich verlässt, stürzt die Welt zusammen. Ich werde nie wieder jemanden finden. Ich werde total versagen.
  • Nicht-können: Ich kann das nicht. Ich werde das nie können. Ich brauche es erst gar nicht probieren. Ich werde nicht in der Lage sein, die Situation zu meistern.
  • Nicht den eigenen Fähigkeiten vertrauen: Das kann jeder. Es war Zufall, dass das geklappt hat. Nächstes Mal wird es bestimmt wieder schieflaufen. Das war doch keine besondere Leistung von mir.

In der einen oder anderen Form kann sich jeder Mensch mit einigen dieser Gedanken identifizieren, vielleicht findest du dich auch in einigen dieser Gedanken wieder. Bereits das Wissen über negative Gedanken kann ausreichen, um diese zu identifizieren und im Idealfall auch zu ändern.

Manchmal ist es jedoch auch hilfreich, mit einem Professionisten über persönliche Probleme zu sprechen. Im Rahmen meiner Onlineberatung stehe ich gerne für weitere Fragen oder für eine persönliche Sprechstunde zur Verfügung, senden Sie mir einfach eine Email an office@drlehenbauer.com.  Wenn Sie Interesse an weiteren Blog-Artikeln und sonstigen Themen im Bereich der Psychologie haben, können Sie sich auch gerne für meinen Newsletter im rechten Bereich der Homepage anmelden.

Über den Autor: Mag. Dr. Mario Lehenbauer-Baum ist Klinischer Psychologe, Gesundheitspsychologe, zertifizierter Arbeits-, Wirtschafts- und Organisationspsychologe, Autor und Herausgeber zahlreicher Artikel und Buchkapitel, Motivationscoach und professioneller Sprecher auf Konferenzen, sowie in der universitären Forschung tätig. Seine Forschungsschwerpunkte fokussieren auf die Schnittstelle Psychologie und neue Medien (Online-Rollenspiele, Internetsucht, Internetgebrauch in der Praxis), virtuelle Realitäten sowie Games for Health (digitale Spiele und psychologische Interventionen). In seiner Praxis fokussiert er vor allem auf positive Psychologie, um Menschen zu einem glücklicheren und erfüllteren Leben zu verhelfen, sowie auf wissenschaftlich fundierte kognitiv-lerntheoretisch/verhaltenstherapeutische Methoden.

Gehen lassen, los lassen

Gehen lassen – Los lassen

Man fühlt sich sicher und geborgen, man hat sich etwas Schönes mit einem Menschen geschaffen, man schmiedet Pläne für die Zukunft – und dann passiert es. Eine Veränderung. Jemand macht Schluss, beendet die Beziehung, möchte sich scheiden lassen, zieht an einen anderen Ort, man verliert den Job, hat eine schwere Krankheit. Das Leben konfrontiert uns mit harten Fakten, dass nichts dazu bestimmt ist, für immer so zu sein wie es momentan ist. Und das ist beängstigend. In meinem heutigen Blogbeitrag geht es vor allem um das Thema Gehen lassen sowie los lassen.

Veränderung zulassen

Veränderung passiert immer, manchmal reißt es uns jedoch aus unserer Komfortzone heraus. Wir sind dann zum Handeln gezwungen, wenn wir das Beste daraus machen wollen. In diesem Kapitel geht es vor allem darum, warum es so schwer fällt, etwas oder jemanden gehen zu lassen. Es ist eine natürliche Reaktion, da wir mit Veränderlichkeit konfrontiert sind.

Warum sollte man jemand oder etwas gehen lassen? Jemand oder etwas bewusst gehen zu lassen, bedeutet, wieder Kontrolle über das eigene Leben zu bekommen. Anstatt dass wir uns als Opfer unveränderlicher Gegebenheiten sehen, können wir selbst etwas verändern und kontrollieren – uns selbst.

Wenn eine Beziehung zu Ende geht, oder ein geliebter Mensch nicht mehr vorhanden ist, haben wir das Gefühl, dass unser Leben auseinander fällt. Wenn auch immer wir dieses Gefühl haben, versuchen wir krampfhaft, an etwas Altem, Gewohnten festzuhalten. Wir halten an einem alten Partner fest, an gewohnten Umgebungen, an alten Dingen, da sie uns an etwas Vertrautes erinnern, an etwas das uns Geborgenheit und Sicherheit vermittelt hat. Niemand lebt gerne mit Unsicherheit!

Es gibt nur wenige Menschen, die sich sofort flexibel an neue Gegebenheiten anpassen. Um eine Krise jedoch bestmöglich zu überwinden, ist es notwendig, Menschen und Dinge gehen zu lassen, die uns nicht mehr dienlich sind. Das ist nicht einfach.

Menschen sind Gewohnheitstiere

Menschen sind Gewohnheitstiere, die immer an etwas festhalten. Das kann eine Partnerschaft sein, eine Beziehung zu Eltern, Kindern oder Freunden, die Karriere, ein Haus, ein Auto, oder allgemeiner Besitz. Wir fühlen uns sicher und geborgen, es gibt uns ein Gefühl von Sicherheit, jemanden oder etwas in unserer Nähe zu wissen. „Wenn ich kein Geld mehr habe, dann habe ich zumindest das Haus“, „Ich kann ihm oder ihr immer vertrauen, wenn einmal etwas schiefgeht“, „Meine Karriere bleibt mir für immer“. Diese Gedanken geben uns Sicherheit.

Das Fatale daran ist jedoch, dass immer etwas passieren kann, es gibt keine Sicherheit im Leben. Beziehungen gehen auseinander, ein Haus oder ein Auto können aus verschiedenen Gründen verloren gehen, und man steht alleine da. Man realisiert, dass man selbst die einzige Person ist. Und man realisiert, dass die einzige Person, der man wirklich vertrauen kann, man selbst ist. Sicherheit lässt sich nicht außen finden – sie muss von innen kommen!

Wir alle haben unsere persönliche Komfortzone. Wir haben es uns gemütlich gemacht, mit einer Partnerschaft, mit einem Haus, einem schönen Auto, und wir fühlen uns sicher – solange bis ein Ereignis uns scheinbar alles wegnimmt. Wenn wir uns immer sicher fühlen in unserem Teich, woher sollen wir dann wissen, dass es da draußen einen See gibt, ja sogar einen riesigen Ozean? An etwas festzuhalten, weil es uns vertraut ist, kann auch der Grund sein, warum es uns nicht besser geht.

Gehen lassen ist beängstigend. Es schmerzt. Es ist ein großes Risiko, wie ein freier Fall ohne Sicherheitsnetz. Für uns Menschen als Gewohnheits- und Sicherheitstiere ist das eine große Herausforderung, jemanden oder etwas bewusst gehen zu lassen.

Kontrolle über das eigene Leben gewinnen

Lassen wir etwas oder jemanden gehen, lassen wir auch automatisch zu, dass etwas Neues in unser Leben treten kann. Wir lassen alte Denkmuster, alte Gewohnheiten, alte liebgewonnene Verhaltensweisen gehen. Wir lassen etwas gehen, das sehr lange ein Teil von uns war. Wir sind gezwungen, etwas los zu lassen das uns lange Zeit etwas bedeutet hat, und das schmerzt.  Alles Neue oder Ungewohnte löst Angst aus. Aber sobald man etwas bewusst gehen lässt, bekommen wir automatisch mehr Kontrolle über unser Leben. Wir gewinnen mehr und mehr Kontrolle, und übernehmen aktiv wieder das Steuer, anstatt andere für uns fahren zu lassen und passiver Beifahrer zu sein.

DU übernimmst die Kontrolle über dein Leben. DU triffst die Entscheidung, jemanden gehen zu lassen und ein Kapitel abzuschließen. DU triffst die Entscheidung für eine Scheidung oder ein Beziehungsende. DU triffst die Entscheidung, das Auto zu verkaufen. DU triffst die Entscheidung, an einen anderen Ort zu ziehen.

Sobald du beginnst, Entscheidungen zu treffen, werden Dinge passieren. Dein Leben kommt wieder in Gang. Es kommen Freunde, um dich zu unterstützen. Du bekommst Hilfe von unerwarteter Seite. Es ist so, als ob dein Leben sagen will „Hey! Gratuliere! Du hast eine Entscheidung getroffen! Nun lass mich dir helfen!“.

Der erste Schritt

Den ersten Schritt hast du gemacht. Du liest diese Seite durch.  Das bedeutet, dass du eine Situation der Veränderung hinter dir hast, oder du gerade mitten drin bist. Jemand hat eine Beziehung beendet, du bist mit Veränderung konfrontiert, und du möchtest das Beste daraus machen. Eine Veränderung ist immer mit Angst und Unsicherheit verbunden. Man wird aus der eigenen Komfortzone hinaus gestoßen, und verliert Sicherheit. Mit deiner Entscheidung, etwas gehen zu lassen, bekommst du wieder Kontrolle über dein Leben.

Tipps zum Loslassen

Loslassen und gehen lassen kann schwer fallen. Versuche, dir folgende Fragen zu stellen:

  • Wann hat mir diese Situation oder diese Person zuletzt gut getan?
  • Warum halte ich so sehr an dieser Situation oder Person fest? Warum fällt es mir so schwer, loszulassen?
  • Welche neuen Aktivitäten kann ich in mein Leben lassen? Wo finde ich Unterstützung? Wer kann mir dabei helfen, etwas Neues in meinem Leben zuzulassen?
  • Was wollte ich schon immer machen, konnte es mir aber bisher nicht eingestehen?

Diese Fragen sollten dir dabei helfen, neue Dinge in deinem Leben zu finden und zuzulassen. Wichtig ist, dass du Geduld hast, und auch geduldig und achtsam mit dir selbst umgehst. Äußere Veränderungen passieren schnell, Veränderungen im Inneren brauchen jedoch Zeit.

 

Manchmal ist es jedoch auch hilfreich, mit einem Professionisten über persönliche Probleme zu sprechen. Im Rahmen meiner Onlineberatung stehe ich gerne für weitere Fragen oder für eine persönliche Sprechstunde zur Verfügung, senden Sie mir einfach eine Email an office@drlehenbauer.com.  Wenn Sie Interesse an weiteren Blog-Artikeln und sonstigen Themen im Bereich der Psychologie haben, können Sie sich auch gerne für meinen Newsletter im rechten Bereich der Homepage anmelden.

Über den Autor: Mag. Dr. Mario Lehenbauer-Baum ist Klinischer Psychologe, Gesundheitspsychologe, zertifizierter Arbeits-, Wirtschafts- und Organisationspsychologe, Autor und Herausgeber zahlreicher Artikel und Buchkapitel, Motivationscoach und professioneller Sprecher auf Konferenzen, sowie in der universitären Forschung tätig. Seine Forschungsschwerpunkte fokussieren auf die Schnittstelle Psychologie und neue Medien (Online-Rollenspiele, Internetsucht, Internetgebrauch in der Praxis), virtuelle Realitäten sowie Games for Health (digitale Spiele und psychologische Interventionen). In seiner Praxis fokussiert er vor allem auf positive Psychologie, um Menschen zu einem glücklicheren und erfüllteren Leben zu verhelfen, sowie auf wissenschaftlich fundierte kognitiv-lerntheoretisch/verhaltenstherapeutische Methoden.