Wege, um glücklich zu sein

Es gibt keinen Weg zum Glück. Glücklich-sein ist der Weg.“ 

Zitat aus dem Buddhismus

Als Klinischer Psychologe bin ich oft mit dem Wunsch von Klienten konfrontiert „Ich will glücklich sein“. Es gibt wohl nur wenige Menschen auf dieser Welt, die bewusst nicht glücklich sein wollen. Das Zitat drückt aus, dass es nicht den einen wahren Weg zum Glück gibt, es sind mehrere Wege, die allerdings allesamt vereinen, dass Glück mit Glücklich-Sein einher geht. In der Positiven Psychologie gibt es bereits zahlreiche Studien, die sich mit Glück und dem Gefühl, glücklich zu sein, beschäftigen. Der heutige Artikel behandelt daher einige Tipps, die zu einem Glücksgefühl und damit einem erfüllteren Leben beitragen können.

1. Gedanken fallen lassen

Viele Menschen tendieren dazu, Situationen zu „überdenken“, zuviel an etwas zu denken, Handlungsstränge auszudenken im Sinne von „Was ist  wenn… und dann… ich hätte… dann wäre… ich muss… ich werde… dann ist es…“.

Es liegt in der menschlichen Natur, Mutmaßungen anzustellen. Man überanalysiert andere Reaktionen und interpretiert etwas in Dinge, die nicht einmal den Tatsachen entsprechen. Dieses Überinterpretieren und Überanalysieren dient Dir nicht, es bringt nichts in Richtung Glücklich-Sein, da Mutmaßungen und Annahmen in den meisten Fällen falsch sind. Deshalb:

Stell Dir ein Geräusch vor – stell Dir vor, wie ein Stein auf Sand fällt, ein plumpes, dumpfes Geräusch.

Das selbe Geräusch kannst Du Dir vorstellen, wenn Du wieder an etwas zu viel denkst. Lass den Gedanken fallen wie einen Stein auf Sand, und geh einer anderen Aktivität nach.

2. Ausschalten!

Wir sind alle mittlerweile rund um die Uhr mit neuen Medien konfrontiert, ständig online. Mit Smartphones und Tablets wie iPhone und iPad hat jeder die Möglichkeit, mich immer und überall zu erreichen. Aber das war nicht immer so, und das stresst auch.

Manchmal braucht man Zeit für sich selbst, Zeit für Andere ohne ständig erreichbar zu sein. Mit „Ausschalten“ ist daher gemeint, das Smartphone einmal für ein paar Stunden auszuschalten. Treffe Dich mit Freunden, und schalte bewusst das Telefon aus. Nichts ist störender als wenn das Gegenüber ständig die neuesten Nachrichten kontrolliert oder sofort mit Textnachrichten anderen Personen antwortet.

Stell Dir vor, Du bist am Ende Deiner Tage. Glaubst Du wirklich, dass Deine letzten Gedanken „Die Zeit auf Facebook war wunderschön“ oder „Ich hätte diese Tweets noch senden müssen“ sind? Letztendlich sind es Erinnerungen mit anderen Menschen, die mir bleiben und qualitativ wertvolle Zeit, die miteinander verbracht wird. Diese Gefühle können nachhaltiges Glück hervorrufen.

3. Neues lernen!

Ich habe mein Doktorat vor ca. 2 Jahren beendet. Ich habe deswegen nicht aufgehört, neue Dinge zu lernen. Unser Gehirn will ständig mit neuen Dingen konfrontiert werden, auch wenn es sich manchmal weigert.

Manchmal werden wir zurück gehalten mit Gedanken wie „Kann ich das überhaupt“. Hier kommt der erste Punkt „Lass den Gedanken fallen“ ins Spiel, lass diesen Gedanken fallen, stelle keine Mutmaßungen über die Zukunft an, sondern lass Dich einfach treiben. Sei neugierig wohin Dich das Leben treibt!

Japanische Kalligraphie! Chinesische Sprache! Sushi Kochkurs! Motorradführerschein! Tanzschule! Klavierstunden! Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, etwas Neues zu lernen.

Wenn man annimmt, dass es in etwa 5 Jahre dauert, um ein Professionist in etwas Neuem zu werden, hast Du keine Ausrede – Du hast noch sehr viel Zeit, etwas Neues zu lernen, selbst wenn Du 50 oder 60 oder 70 (oder sogar 80) bist!

4. Vergeben und gehen lassen

Auch als Psychologe und professioneller Coach bin ich nur ein ein Mensch, und auch ich hatte teilweise manchmal das Gefühl oder den Wunsch, es jemand anderem irgendwie heimzuzahlen, wenn etwas nicht fair ablief.

Es hat nichts gebracht. Es zehrt an mir selbst, an meinen Gefühlen, und es hat mich im Leben nicht weiter gebracht. Wir haben alle Menschen in unserem Leben, die uns verletzen, die uns behindern, die uns bewusst missbrauchen. Gefühle von Rache sind daher nur natürlich, aber bringt uns in unserem Streben nach Glück nicht weiter.

Das Konzept von „Karma“ war daher etwas, das mich weiterbrachte. Ja es gibt Menschen die einen missbrauchen oder verletzen. Diese machen das aber auch mit anderen Menschen, und am Ende des Tages wird niemand mehr etwas mit diesen Menschen zu tun haben – das bezeichne ich als Karma, es kommt immer zu einem zurück, Gutes wie Schlechtes.

Anstatt auf negative Gefühle wie Rache zu fokussieren, habe ich mich bewusst dafür entschieden, zu vergeben und gehen zu lassen. Ich habe es als Lektion angesehen, vergeben und fallen lassen. Bereue nichts, was im Leben passiert ist, letztendlich hat es DICH stärker und zur Person, die Du heute bist, gemacht. Es gibt wesentlich wichtigere und schönere Dinge im Leben, die unsere Aufmerksamkeit erfordern.

5. Zurück geben – zufälliger Akt von Güte

Im Englischen gibt es die „random acts of kindness“, den zufälligen Akt von Güte. Wenn Du an Karma oder das Gesetz der Anziehung glaubst, ist es das Beste, wenn Du Gutes in diese Welt setzt.

Im amerikanischen Raum passiert es daher sehr oft, dass andere Menschen anonym das Essen von anderen, fremden Personen bezahlen mit einer kleinen Nachricht „… schön dass es dich gibt!“.

Probiere es aus! Spendiere anonym jemandem ein Getränk! Du wirst sehen, wie sich diese Person freut, du hast ihren Tag oder ihren Abend gerettet, und du selbst wirst dich ebenfalls besser fühlen. Wenn du Gott, dem Universum oder Karma vertraust, weißt du, dass alles zurück kommt.

Nun stell dir vor, wenn das mehr Menschen jeden Tag machen – ist die Welt dann nicht ein besserer Ort, um zu leben? Und es beginnt hier und heute, mit Dir.

6. Authentisch Sein

Seien Sie nicht jemand, der Sie nicht sind. Sei immer Du selbst… letztendlich geht es immer nur um dich. Wenn Menschen dich nur mögen, wenn du dich verstellst, dann bist du nicht ehrlich dir selbst oder anderen gegenüber.

Umgib dich mit Personen, die ähnlich denken wie Du, die Dir Gutes tun, Dich unterstützen so wie Du bist. Es wird immer Menschen geben, die Dich nicht so akzeptieren wie Du bist – aber Du hast die Wahl, ob Du sie in Dein Leben lässt oder nicht.

 

Das sind nur einige Tipps, die Glücklich-Sein fördern können. Lass den Gedanken fallen, sei im Hier und Jetzt, und lass das Über-Analysieren sein. Tue jemandem etwas Gutes, und warte gespannt, ob und wie es zu Dir zurück kommt! Letzten Endes geht es nur um Dich. Es wird immer andere Personen geben, die dich nicht so akzeptieren wie DU bist, aber Du hast die freie Wahl, ob Du Dich mit diesen Personen umgibst oder nicht.

Über den Autor: Mag. Dr. Mario Lehenbauer-Baum ist Klinischer Psychologe, Gesundheitspsychologe, zertifizierter Arbeits-, Wirtschafts- und Organisationspsychologe, Autor und Herausgeber zahlreicher Artikel und Buchkapitel, Motivationscoach und professioneller Sprecher auf Konferenzen, sowie in der universitären Forschung tätig. Seine Forschungsschwerpunkte fokussieren auf die Schnittstelle Psychologie und neue Medien (Online-Rollenspiele, Internetsucht, Internetgebrauch in der Praxis), virtuelle Realitäten sowie Games for Health (digitale Spiele und psychologische Interventionen). In seiner Praxis fokussiert er vor allem auf positive Psychologie, um Menschen zu einem glücklicheren und erfüllteren Leben zu verhelfen, sowie auf wissenschaftlich fundierte kognitiv-lerntheoretisch/verhaltenstherapeutische Methoden.

 

Social Media in der psychologischen Praxis

Facebook in der psychologischen Praxis?

Psychologen sind naturgemäß skeptisch, was Möglichkeiten neuer Medien betrifft, und das ist selbstverständlich nachvollziehbar. Professionelle und ethische Bedenken vermischen sich mit Befürchtungen, als Psychologe von der Technik abgelöst zu werden.

Allerdings sind Menschen (und damit auch Klienten und Patienten) online, und benutzen vermehrt Facebook und Twitter. Als Psychologe selbst hinterlässt man unweigerlich eine digitale Spur sobald man im Internet präsent ist, ob man es möchte oder nicht.

Damit bestehen die Herausforderungen für den Berufsstand der Psychologen im Gesundheitswesen darin, Rahmenbedingungen für einen professionellen Umgang mit neuen Medien zu finden. Psychologen besitzen unterschiedliche Erfahrungen mit neuen Medien, sie variieren von E-Mail Usern bis hin zu Menschen, die leidenschaftlich twittern und auf Facebook oder Instagram tätig sind. Unabhängig davon, wie erfahren Sie sind, in meiner eigenen Social Media Tätigkeit bedenke ich vor allem folgendes:

Ihre Klienten entscheiden, wie sie mit Ihnen kommunizieren wollen!

Es gibt Klienten, die sich für E-Mail-Zusendungen entscheiden, andere nehmen via Facebook Kontakt auf.  Entscheiden Sie sich für nur einen Informationskanal, riskieren Sie, Klienten zu verlieren. Sinnvoll wäre daher ein Mix aus diversen Informationskanälen, allerdings unter behutsamer Auswahl der einzelnen Medien.

Betrachten Sie die Vorteile der Möglichkeiten von Social Media!

Sie können sehr viele Menschen in Ihrem Netzwerk erreichen, die ebenfalls wiederum über ein großes Netzwerk verfügen. Eine Twitter-Meldung verbreitet sich rascher und nahezu real-time, während word-of-mouth networking Tage bis Wochen benötigt.

Integrieren Sie Social Media in Ihre Kommunikationsstrategien!

Social Media sollte nicht für sich allein betrachtet werden, sondern in ein gut abgestimmtes Kommunikationsportfolio integriert sein. Eine Homepage dient als erste Anlaufstelle, damit Klienten Sie im Internet finden können und Informationen über Ihr Behandlungsangebot bekommen. E-Mails und Telefon dienen der Kontaktaufnahme, während Blogs, Diskussionsforen im Internet dazu dienen können, Aufklärung über Ihre bevorzugten Arbeitsweisen zu geben.

Last, but not least – beachten sie den Ethik Code!

Ethik-Richtlinien, die offline gelten, können auch auf das Internet übertragen werden. Dazu gehört, dass sie keine Online-Behandlung anbieten (da diese derzeit nicht genügend erforscht und evaluiert ist, und gesetzlich in Österreich nicht abgesichert ist), keine Diagnosen über Facebook stellen oder unseriöse Werbung auf Twitter oder Facebook betreiben.

Sollten Sie einen Infofolder über Ihre Arbeit haben, dann wäre es beispielsweise von Vorteil, den Punkt “Social Media” explizit anzusprechen. Weiters sollten sie Social Media auch in der Praxis thematisieren, beispielsweise dass Sie zwar auf Facebook präsent sind, aber keine “Friends”-Einladungen von KlientInnen akzeptieren können, da eine die Interaktion Klient-Psychologe ausschließlich in der Praxis stattfinden soll. Erste Kontaktaufnahmen sind prinzipiell möglich, weitere Kontakte über Facebook sind aus meiner Sicht aus ethischen Überlegungen her abzulehnen.

Für weitere Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung!

Mag. Dr. Mario Lehenbauer

Über den Autor: Mag. Dr. Mario Lehenbauer-Baum ist Klinischer Psychologe, Gesundheitspsychologe, zertifizierter Arbeits-, Wirtschafts- und Organisationspsychologe, Autor und Herausgeber zahlreicher Artikel und Buchkapitel, Motivationscoach und professioneller Sprecher auf Konferenzen, sowie in der universitären Forschung tätig. Seine Forschungsschwerpunkte fokussieren auf die Schnittstelle Psychologie und neue Medien (Online-Rollenspiele, Internetsucht, Internetgebrauch in der Praxis), virtuelle Realitäten sowie Games for Health (digitale Spiele und psychologische Interventionen). In seiner Praxis fokussiert er vor allem auf positive Psychologie, um Menschen zu einem glücklicheren und erfüllteren Leben zu verhelfen, sowie auf wissenschaftlich fundierte kognitiv-lerntheoretisch/verhaltenstherapeutische Methoden.